Impotenz und Bluthochdruck

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Bluthochdruck (Hypertonie) zählt inzwischen zu den weit verbreiteten Volkskrankheiten in modernen Industriestaaten. Rund zwei Drittel der Männer mit Bluthochdruck weisen zudem eine erektile Dysfunktion auf, umgangssprachlich auch als Impotenz bekannt.1Kloner, R.: Erectile dysfunction and hypertension. In: International Journal for Impotence Research Bd. 19 (2007). S. 296 – 302

Eine Behandlung zum frühestmöglichen Zeitpunkt ist entscheidend, um irreversible Einschränkungen der Sexualfunktion zu vermeiden. Der Besuch bei einem Kardiologen oder Allgemeinmediziner ist der erste Schritt zur erfolgreichen Behandlung. 

Jens Winkler
Jens Winkler

Aktualisiert: 4 Mai, 2020 | Medizinisch überprüft von: Klaus Marquardt

Redaktion
Inhaltsübersicht:
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    Ursachen von Bluthochdruck

    Von arteriellem Bluthochdruck ist die Rede, wenn die Blutdruckwerte dauerhaft zu hoch liegen. Die natürlichen Schwankungen des Blutdrucks im Tagesverlauf werden dafür nicht berücksichtigt. Erst bei einer dauerhaften Überschreitung des Grenzwerts von 140/90 mmHg wird die Diagnose gestellt.

    Es gibt vielseitige Ursachen und Risikofaktoren, die für die Entwicklung von Bluthochdruck verantwortlich sein können.

    Dazu zählen:

    Auch mit fortschreitendem Alter leiden mehr Menschen unter der Erscheinung des Bluthochdrucks. Dies ist durch die nachlassende Elastizität der Blutgefäße zu erklären, die sich verhärten und verengen. Dadurch kann weniger Blut durch die Arterien gepumpt werden, was den Druck ansteigen lässt.

    Von diesen Auslösern des arteriellen Blutdrucks ist der sekundäre Bluthochdruck zu unterscheiden. Diesem können verschiedene Grunderkrankungen zugrunde liegen, wie zum Beispiel Nierenerkrankungen, hormonelle Störungen, Alkoholmissbrauch oder Fehlbildungen des Herz-Kreislaufsystems.

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    SewCream / shutterstock.com

    Symptome von Bluthochdruck

    Häufig ist von Bluthochdruck als „stiller Gefahr“ die Rede, da die meisten Patienten keine oder nur schwach ausgebildete Symptome aufweisen. Auf diese Weise kann sich die Hypertonie über Jahre einschleichen und lange unbehandelt bleiben, was das Risiko für Folgeschäden erhöht. Umso wichtiger ist es, typische Anzeichen für Bluthochdruck nicht als belanglos einzustufen.

    Dies betrifft:

    Experten empfehlen deshalb, mit diesen Symptomen sofort einen Mediziner aufzusuchen. Mit einem einfachen Blutdruckmessgerät kann auch in eigener Regie Gewissheit geschaffen werden. Liegen die Messwerte dauerhaft und zu verschiedenen Tageszeiten über dem Grenzwert, ist dies ein eindeutiges Anzeichen für Hypertonie.

    Impotenz als Begleiterscheinung

    Eine US-amerikanische Studie aus dem Jahr 2000 bestätigte bereits den Zusammenhang von Bluthochdruck und Impotenz in Form der erektilen Dysfunktion.2Burchhardt, M.; Burchhardt, T. et. al.: Hypertension is associated with severe erectile dysfunction. In: The Journal of Urology Bd. 164 (2000). S. 1188 – 1191 Eine Gruppe von Patienten, die unter der Vorerkrankungen litten, wiesen deutlich mehr Fälle auf, als die Vergleichsgruppe mit normalem Blutdruck.

    Zurückzuführen ist dieser Zusammenhang von Bluthochdruck und Impotenz auf den arteriellen Blutfluss in den Penis, welcher für die Erektion entscheidend ist. Sind die geschädigten Blutgefäße nicht dazu in der Lage, ausreichend Blut in die Schwellkörper fließen zu lassen, ist der Aufbau einer harten Erektion erschwert oder gar unmöglich.

    Mögliche Therapieansätze

    Die Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung von Bluthochdruck und Impotenz steigt bei frühzeitiger Diagnose. Liegt eine leichte Form der Hypertonie vor, so reicht unter Umständen eine Anpassung des Lebensstils aus, um wieder Normalwerte zu erreichen. Dazu zählen je nach individueller Veranlagung eine ausgewogene Ernährung, mehr Bewegung und die Reduktion des Körpergewichts.

    Konnte sich die Erkrankung bereits verfestigen, reicht eine Behandlung durch kleine Anpassungen des Alltags oft nicht mehr aus. In diesem Fall empfiehlt sich die medikamentöse Behandlung mithilfe verschiedener Präparate. Diese müssen fortan täglich eingenommen werden, um die Symptomatik zu überwinden. Ziel ist es, den Blutdruck künstlich zu regulieren, um damit das Risiko für Folgeschäden zu minimieren.

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    Medikation bei Bluthochdruck und Impotenz

    Bei schweren Fällen von Bluthochdruck ist es das oberste Ziel der Medikation, schwere Folgeschädigungen am Patienten zu vermeiden. Dazu zählen Herzinfarkte und Schlaganfälle, die ein tödliches Risiko in sich bergen. Geht die Hypertonie mit einer erektilen Dysfunktion einher, bringt dies besondere Anforderungen an die eingesetzten Wirkstoffe mit sich.

    Beta-Blocker

    Während üblicherweise Beta-Blocker bei Patienten mit Bluthochdruck zum Einsatz kommen, sind diese bei Impotenz umstritten. Sie stehen im Verdacht, Erektionsstörungen hervorzurufen oder die bestehende Problematik zu verstärken.

    Wissenschaftliche Studien gaben zuletzt teilweise Entwarnung und ordneten Impotenz als psychologischen Nebeneffekt der Einnahme ein, der nach Absetzen der Beta-Blocker abklingt.3Silvestri, Antonello; Galetta, Pasquale; et. al.: Report of erectile dysfunction after therapy with beta-blockers is related to patient knowledge of side effects and is reversed by placebo. In: European Heart Journal Bd. 24 (2003). S. 1928 – 1932 

    Diuretika

    Neben der Erkrankung selbst können eingesetzte Entwässerungsmittel, sogenannte Diuretika, die oft parallel verschrieben werden, eine erektile Dysfunktion verstärken. Durch das Entziehen von Flüssigkeit verringern sie das Blutvolumen, wodurch bei sexueller Erregung weniger Blut in die Schwellkörper fließen kann.

    Geringes Risiko:

    Stattdessen tragen Kalziumantagonisten, ACE-Hemmer und Sartane einen wichtigen Teil zur Behandlung bei. Nach dem heutigen Stand der Forschung stellen die Medikamente aller drei Gruppen kein zusätzliches Risiko für die Erektionsfähigkeit dar. Bei der Behandlung von Bluthochdruck und Impotenz kommen sie deshalb besonders häufig zum Einsatz.

    Weitere Behandlungsmöglichkeiten

    Nur bei wenigen Patienten mit leichtem Bluthochdruck klingen Erektionsstörungen nach der medikamentösen Einstellung ab. Alternativ stehen PDE-5-Hemmer für die Behandlung zur Verfügung. Während einer Behandlung mit Blutdrucksenkern dürfen diese aber keinesfalls ohne ärztlichen Rat eingenommen werden. Stattdessen ist eine ärztliche Einstellung der Medikamente notwendig, um Wechselwirkungen zu vermeiden.

    Obwohl PDE-5-Hemmer ebenfalls blutdrucksenkend wirken, ist die gleichzeitige Einnahme tolerabel.4Böhm, M.; Burkart, M.; Baumann, G.: Sildenafil wird auch von Patienten
    mit einer erektilen Dysfunktion und einer Mehrfachmedikation bei bestehender arterieller Hypertonie gut toleriert. In: Journal für Hypertonie Bd. 8 (2004). S. 17 – 19.

    Wirkstoffe wie Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil oder Avanafil tragen dazu bei, die erektile Dysfunktion temporär zu überwinden und in Kombination mit sexueller Erregung eine stabile Erektion aufzubauen. Auf diese Weise ist spontan eine zufriedenstellende sexuelle Aktivität möglich.

    Für eine Verschreibung dieser Medikamente zur Verbesserung der Erektionsfähigkeit sollte ein Arzt konsultiert werden. Von einer Therapie ohne Arzt über das Internet sollten Männer absehen, es können gefährliche Wechselwirkungen & Nebenwirkungen entstehen.

    Literatur:

    1. Kloner, R.: Erectile dysfunction and hypertension. In: International Journal for Impotence Research Bd. 19 (2007). S. 296 – 302.
    2. Burchhardt, M.; Burchhardt, T. et. al.: Hypertension is associated with severe erectile dysfunction. In: The Journal of Urology Bd. 164 (2000). S. 1188 – 1191.
    3. Silvestri, Antonello; Galetta, Pasquale; et. al.: Report of erectile dysfunction after therapy with beta-blockers is related to patient knowledge of side effects and is reversed by placebo. In: European Heart Journal Bd. 24 (2003). S. 1928 – 1932.
    4. Böhm, M.; Burkart, M.; Baumann, G.: Sildenafil wird auch von Patienten
      mit einer erektilen Dysfunktion und einer Mehrfachmedikation bei bestehender arterieller Hypertonie gut toleriert. In: Journal für Hypertonie Bd. 8 (2004). S. 17 – 19.

     

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