Impotenz durch Adipositas

Es ist allgemein bekannt und wurde in vielen Studien nachgewiesen, dass Fettleibigkeit viele gesundheitliche Probleme, wie einen zu hohen Cholesterinspiegel, Diabetes, Probleme mit dem Blutdruck und Gefäßerkrankungen, verursachen kann. Mittlerweile ist auch bekannt, dass Adipositas zu Impotenz führen kann. Von Männern mit einem Body Maß Index (BMI) über 25 leiden etwa 80 Prozent an erektiler Dysfunktion (Erektionsstörungen).

In Kürze: Unter Adipositas (Fettleibigkeit) wird starkes Übergewicht verstanden, welches gesundheitsschädliche Folgen mit sich bringen kann. Adipositas liegt vor, wenn der BMI 30 oder mehr beträgt. Fettleibigkeit wird durch genetische Veranlagung, ungesunde Ernährung, Mangel an Bewegung und einen zu langsamen Stoffwechsel verursacht. Chronische Folgeerkrankungen, darunter auch die erektile Dysfunktion (Impotenz), können die Folge sein.

Inhaltsübersicht:
    Add a header to begin generating the table of contents
    Jens Winkler
    Jens Winkler

    Aktualisiert: 29. Oktober 2020 | Medizinisch überprüft von: Klaus Marquardt

    Redaktion

    Adipositas als Risikofaktor

    Adipositas leitet sich von dem lateinischen Wort „adeps“ ab, was Fett bedeutet. Adipositas oder auf Deutsch die Fettleibigkeit ist eine weit verbreitete Volkskrankheit in der modernen Wohlstandsgesellschaft. Die Krankheit birgt sehr viele Risiken für Folgeerkrankungen in sich. Davon ist die erektile Dysfunktion, auch als Impotenz bekannt, nur eine von vielen.

    Dauerhaftes erhebliches Übergewicht beeinflusst die Erektionsfähigkeit auf viele unterschiedliche Faktoren. Die Ursache für die Impotenz kann in der Fettleibigkeit alleine, aber auch in anderen Folgeerkrankungen von Adipositas, wie Diabetes, Bluthochdruck und Erkrankungen der Gefäße liegen.

    Ab wann ist eine Person übergewichtig?

    BMI:
    30%

    Als übergewichtig gilt, wer einen Body Maß Index (DMI) über einem Wert von 30 hat. Schon 15 kg zu viel an Gewicht können die Fähigkeit zu einer Erektion um 25 bis 29 Prozent verringern.

    Auch am Bauchumfang lässt sich Fettleibigkeit erkennen. Der Bauchumfang wird in der Höhe des Bauchnabels gemessen. Der Normalbereich liegt bei oder unter 93 cm. Von 94 bis 102 cm befindet man sich im gelben Bereich. Liegt der Bauchumfang über 102 cm, wird man als übergewichtig angesehen.

    In Kalifornien wurde eine Studie durchgeführt, bei der festgestellt wurde, dass Männer, die einen BMI über 28 hatten, zu 90 Prozent öfter an Erektiler Dysfunktion litten als Männer mit einem normalen Gewicht.4The Association of Body Size and Composition with Erectile Dysfunction in Older Men: Osteoporotic Fractures in Men (MrOS) Study – doi.org

    Warum kann Übergewicht zu Impotenz führen?

    Übergewicht macht es in vielen Fällen schwerer, eine Erektion aufzubauen und diese zu erhalten. Oft ist die Erektion nicht so stark und baut sich auch schnell wieder ganz ab. Die Gründe dafür sind vielfältig. Adipositas löst im Körper eine Reihe von Problemen aus, darunter auch die Impotenz.

    Nicht nur das Zuviel an Fett ist eine Gefahr, sondern auch die Krankheiten, die aus starkem und dauerhaftem Übergewicht entstehen können. Mehrere körperliche Faktoren und Vorgänge tragen zu einer Erektion bei. Übergewicht kann diese negativ beeinträchtigen. Adipositas verringert mit der Zeit die Qualität der Körperfunktionen. Es können unterschiedliche Folgeerkrankungen entstehen, die sich auch auf die Potenz auswirken können.

    Wenn man zu viel Gewicht mit sich herumträgt, ist es ganz normal, dass auch die Bewegungen immer schwerer fallen. Zu wenig Bewegung führt dazu, dass sich immer mehr Fett im Körper ansetzt. Mangel an Bewegung führt nicht nur zu Herz-Kreislauf-Problemen, sondern schwächt auch die Muskeln im Körper. Weil die Muskulatur im Bodenbecken bei einer Erektion eine wichtige Rolle spielt, wird so auch die Erektionsfähigkeit beeinträchtigt. Bei einer schwachen Muskulatur des Bodenbeckens ist auch die Qualität der Erektion schlecht. Eine starke Muskulatur im Bodenbecken hingegen fördert das Durchhaltevermögen der Erektion und festigt den Ejakulationsreflex.

    Schon geringe Mengen an Bauchfett können durch den Testosteronverlust eine Impotenz begünstigen. Das steht im direkten Zusammenhang mit den Hormonen. Wenn beim männlichen Körper viel Bauchfett vorhanden ist, wird durch das Enzym Aromatase das männliche Hormon Testosteron in erhöhtem Maße in das weibliche Hormon Ostrogen umgewandelt, wodurch der Testosteronspiegel erheblich sinkt. Testosteron ist beim Mann das wichtigste Sexualhormon und ist unerlässlich für das Entstehen einer Erektion. Mangel an Testosteron führt aber nicht nur dazu, dass keine Erektion entstehen kann, er vermindert auch die Libido. Der Mangel an Testosteron entsteht nicht plötzlich, sondern setzt sich über einen langen Zeitraum hinweg fort.

    Neben den geschilderten Risiken birgt Adipositas aber auch noch andere, die sich negativ auf die männliche Potenz auswirken können. So können als Folge von andauerndem Übergewicht Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Erkrankungen der Gefäße entstehen. Erkrankungen der Gefäße wie beispielsweise Arteriosklerose blockieren die Blutgefäße und erschweren oder verhindern sogar den Blutfluss in den Penis. Eine Erektion wird dadurch so gut wie unmöglich. 

    Hinweis:

    Wenn Potenzstörungen als Folge von Adipositas auftreten, kann dies auch als Anzeichen für das Entstehen von ernsten Herz-Kreislauf-Problemen angesehen werden. Die Probleme können beispielsweise zu einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall führen. Eine ärztliche Beratung bei starkem Übergewicht in Verbindung mit Anzeichen einer Impotenz ist daher dringend zu empfehlen.

    Psychologische Faktoren bei Gewicht & Impotenz

    Fettleibigkeit ist in unserer Gesellschaft zwar oft vorhanden, ist aber trotzdem ziemlich verpönt. Daher leiden fettleibige Menschen oft an einem geringen Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Es ist oft der Fall, dass sie sich gesellschaftlich isolieren, weil sie sich unwohl fühlen.

    Oft resultiert daraus sogar eine Depression. Auch diese Gefühle und Empfindungen wirken sich auf die Libido und die Potenz aus. Äußere Reize lösen dabei oft nicht die Nervensignale aus, die für die Entstehung einer Erektion an das Gehirn geleitet werden müssen. Als Folge entsteht keine Erektion.

    Hilfe bei Impotenz durch Übgerwicht

    Die gute Nachricht: Impotenz aufgrund von Übergewicht kann gut therapiert werden.

    Potenzmittel wie PDE-5-Hemmer können von einem Arzt als Therapie gegen die Impotenz verordnet werden. Weiterhin sollte der Betroffene auf eine gesunde Lebensführung und auf ausreichend Bewegung achten.

    Ein Abbau des Gewichts kann die Potenzstörungen bereits verringern oder sogar teilweise beheben. Wenn die Potenzstörungen nur noch leicht ausgeprägt sind, können Hilfsmittel wie ein Penisring oder eine Penispumpe eingesetzt werden.

    Wenn zusätzlich psychologische Probleme bei der Impotenz eine Rolle spielen, informieren Sie sich bei Ihrem Arzt über natürliche Potenzmittel, die zusätzlich zu der Behandlung eingenommen werden können. Auch Gesprächstherapien können unter Umständen für die Betroffenen hilfreich sein.

    Abnehmen gegen Impotenz

    Wurde eine Impotenz durch Übergewicht ausgelöst oder verstärkt, kann diese häufig auch wieder mit einer Gewichtsreduktion verbessert oder sogar aufgehoben werden. Eine Umstellung auf gesunde und abwechslungsreiche, aber kalorienreduzierte Nahrung, und mehr Bewegung ist sehr hilfreich und für den Körper eine gesunde Möglichkeit, Gewicht abzubauen.

    Wenn der Körper an Gewicht verliert und wieder beweglicher wird, wird sich auch die Durchblutung verbessern. Der Körper wird insgesamt besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Und natürlich wird auch der Genitalbereich wieder besser durchblutet. Außerdem erholt sich der Testosteronspiegel und der Betroffene verspürt wieder mehr Lust auf Sex. Alle diese Faktoren tragen zu einer stärkeren und länger anhaltenden Erektion bei.

    Studie über Impotenz & Gewichtsreduktion

    Bei einer Studie, die auf diesem Gebiet durchgeführt wurde, zeigte sich, dass etwa 30 Prozent der Männer, die ihr Körpergewicht durch eine Diät reduzieren konnten, wieder ein normales Sexualleben führen konnten. Die Männer verloren durchschnittlich etwa 15 kg in zwei Jahren. In der Kontrollgruppe gelang es nur fünf Prozent der Männer, ihre Erektionsprobleme zu beheben.

    Die Teilnehmer der Studie nahmen täglich etwa 300 Kilokalorien weniger ein und erhöhten ihre körperliche Betätigung. Die leichte Einschränkung der Kalorienzufuhr und etwas mehr Sport oder Bewegung im Alltag, bewirkten viel Positives für den Körper an sich und für die Potenzstörungen.2Lose weight to lose erectile dysfunction Michael F. Evans, MD, CCFP – ncbi

    Vorbeugung und Bekämpfung von Adipositas

    Einer Fettleibigkeit kann man mit folgenden Mitteln vorbeugen und sie bekämpfen:

    Wer den überflüssigen Pfunden den Kampf ansagt, sagt damit auch gleichzeitig der Impotenz den Kampf an. Wenn betroffene Männer auf eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung achten, dabei auch ausreichend Bewegung in den Alltag integrieren, wird nicht nur Fett abgebaut, sondern auch die Potenz verbessert. In der Schulmedizin können auch verschreibungspflichtige PDE-5-Hemmer eingesetzt werden. Mit der medikamentösen Behandlung werden allerdings nur die Symptome und nicht die Ursachen des Problems behandelt. 

    Literatur:

    1. Can Weight Loss Treat Erectile Dysfunction? – healthline.com
    2. Lose weight to lose erectile dysfunction Michael F. Evans, MD, CCFP – ncbi
    3. Lowered testosterone in male obesity: mechanisms, morbidity and management – Asian J Androl. 2014 Mar-Apr; 16(2): 223–231. – ncbi.nlm.nih.gov
    4. The Association of Body Size and Composition with Erectile Dysfunction in Older Men: Osteoporotic Fractures in Men (MrOS) Study – doi.org
    5. Obesity: Unhealthy and unmanly – health.harvard.edu

    Foto: © New Africa / shutterstock.com