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Unfruchtbarkeit beim Mann: Ursachen, Spermiogramm und Hilfe

Wann gilt ein Mann als unfruchtbar, welche Werte im Spermiogramm normal sind und was du tun kannst, wenn es mit dem Kinderwunsch nicht klappt.

⏱ 11 Min. Lesezeit 📅 Aktualisiert: Oktober 2026

Von Unfruchtbarkeit beim Mann spricht man, wenn ein Paar trotz regelmäßigem, ungeschütztem Sex innerhalb eines Jahres nicht schwanger wird und die Ursache beim Mann liegt. Das ist häufiger, als viele denken: Bei etwa jedem zweiten Paar mit unerfülltem Kinderwunsch ist der Mann zumindest beteiligt1. Die gute Nachricht: Vieles lässt sich behandeln oder umgehen.

Unfruchtbarkeit beim Mann symbolisch: Herren-Sneaker neben kleinen Babyschuhen
Der Kinderwunsch ist oft ein Gemeinschaftsprojekt, auch bei der Ursachensuche.
50 %der Fälle von Unfruchtbarkeit betreffen auch den Mann
92 %der Paare werden innerhalb von 12 Zyklen schwanger
~3 Monatedauert es, bis neue Spermien reif sind

Was ist Unfruchtbarkeit beim Mann?

Unfruchtbarkeit beim Mann bedeutet, dass er auf natürlichem Weg kein Kind zeugen kann oder nur mit deutlich verringerter Chance.

Ärzte sprechen auch von Sterilität, Infertilität oder Zeugungsunfähigkeit. Streng genommen bedeutet Sterilität, dass gar keine Zeugung möglich ist. Meist liegt aber eine eingeschränkte Fruchtbarkeit vor, die sogenannte Subfertilität. Dann gibt es weniger oder weniger fitte Spermien, eine Schwangerschaft ist aber nicht ausgeschlossen.

Die Ursache liegt übrigens längst nicht immer bei der Frau, auch wenn das früher oft angenommen wurde. Bei etwa 20 bis 30 Prozent der betroffenen Paare liegt sie allein beim Mann, bei weiteren Paaren haben beide Partner einen Anteil1.

Ab wann gilt ein Mann als unfruchtbar?

Ärzte sprechen von Unfruchtbarkeit, wenn ein Paar nach zwölf Monaten mit regelmäßigem, ungeschütztem Sex nicht schwanger geworden ist. Ist die Partnerin 35 oder älter, wird schon nach sechs Monaten zur Abklärung geraten.

Ein paar Monate ohne Erfolg sind dagegen völlig normal. In einer deutschen Studie wurden 81 Prozent der Paare innerhalb von sechs Zyklen schwanger, nach zwölf Zyklen waren es 92 Prozent2. Und wer im ersten Jahr leer ausgeht, hat im zweiten Jahr oft trotzdem noch gute Chancen3. Geduld ist beim Kinderwunsch also keine Floskel 🍼.

Unfruchtbarkeit oder Impotenz?

Unfruchtbarkeit und Erektionsprobleme sind zwei verschiedene Dinge, auch wenn beide umgangssprachlich als Impotenz bezeichnet werden. Mediziner unterscheiden deshalb:

  • Impotentia generandiZeugungsunfähigkeit, also Unfruchtbarkeit. Sex funktioniert, aber die Spermien reichen für eine Befruchtung nicht aus.
  • Impotentia coeundiBeischlafunfähigkeit, also eine erektile Dysfunktion. Die Erektion reicht nicht für Sex, die Spermien können völlig gesund sein.

Ein Mann mit Erektionsproblemen kann also voll fruchtbar sein. Und umgekehrt kann ein Mann mit tadelloser Standfestigkeit unfruchtbar sein. Einen Überblick über alle Formen gibt unser Artikel Was ist Impotenz?

Merkt man Unfruchtbarkeit?

Meist nicht. Die meisten unfruchtbaren Männer haben keinerlei Beschwerden, normale Lust und einen normalen Samenerguss. Viele erfahren erst beim Kinderwunsch davon. Ob das Ejakulat dick oder dünn aussieht, sagt übrigens wenig über die Fruchtbarkeit aus.

Ein paar Warnzeichen gibt es trotzdem, bei denen du hellhörig werden solltest:

  • Sehr kleine oder weiche Hoden
  • Schwellung oder „Wurmgefühl“ im Hodensack
  • Kein oder sehr wenig Ejakulat
  • Hodenhochstand in der Kindheit
  • Weniger Bartwuchs oder nachlassende Lust
  • Langjährige Einnahme von Anabolika oder Testosteron

Das Spermiogramm: Diese Werte sind normal

Ob ein Mann fruchtbar ist, zeigt am besten das Spermiogramm. Dafür gibst du nach zwei bis sieben Tagen ohne Samenerguss eine Probe ab. Das Labor prüft Menge, Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien.

Die Weltgesundheitsorganisation hat 2021 neue Referenzwerte veröffentlicht. Sie beruhen auf Männern, deren Partnerin innerhalb eines Jahres schwanger wurde4:

  • SpermiengesamtzahlMindestens 39 Millionen Spermien pro Samenerguss
  • KonzentrationMindestens 16 Millionen Spermien pro Milliliter
  • BeweglichkeitMindestens 30 Prozent schwimmen zielstrebig vorwärts
  • FormMindestens 4 Prozent sind normal geformt
  • VolumenMindestens 1,4 Milliliter Ejakulat
Spermiogramm Grafik: normale und auffällige Spermien bei Anzahl, Form und Beweglichkeit
Die Grafik zeigt die WHO-Werte von 2010. Seit 2021 liegt die Grenze für die Beweglichkeit bei 30 statt 32 Prozent.
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Nur 4 Prozent normal geformt?
Klingt erschreckend wenig, ist aber normal. Auch bei fruchtbaren Männern sehen die meisten Spermien unter dem Mikroskop etwas schief aus. Ein einzelner auffälliger Wert ist außerdem kein Urteil: Weil die Werte stark schwanken, wird ein auffälliges Spermiogramm meist nach einigen Wochen wiederholt.

Wie der Termin im Labor genau abläuft, erklären wir unter Fruchtbarkeitsdiagnostik: Was passiert?

Ursachen der Unfruchtbarkeit beim Mann

Für eine Zeugung braucht es genug gesunde Spermien, einen freien Transportweg und einen funktionierenden Samenerguss. Hakt es an einer dieser Stellen, sinkt die Fruchtbarkeit. Bei einem Teil der Männer findet sich trotz gründlicher Suche keine Ursache5.

Körperliche Ursachen

  • Krampfadern am Hoden (Varikozele)
  • Hodenhochstand in der Kindheit
  • Entzündungen, etwa nach Mumps oder Chlamydien
  • Verschlossene Samenleiter, z. B. nach Sterilisation
  • Hormonstörungen und Testosteronmangel
  • Genetische Ursachen wie das Klinefelter-Syndrom
  • Hodentumoren, Chemo- oder Strahlentherapie
  • Störungen des Samenergusses wie die Anejakulation

Lebensstil und Medikamente

  • Rauchen und viel Alkohol
  • Starkes Übergewicht
  • Anabolika und Testosteronpräparate
  • Viel Hitze: Sauna, Laptop auf dem Schoß, heiße Bäder
  • Drogen wie Cannabis
  • Bestimmte Medikamente

Das Testosteron-Paradox: Viele Männer denken, mehr Testosteron mache fruchtbarer. Das Gegenteil ist der Fall. Von außen zugeführtes Testosteron signalisiert dem Körper „genug da“, woraufhin die Hoden die Spermienproduktion herunterfahren. Bei Kinderwunsch also unbedingt mit dem Arzt sprechen, bevor du Testosteron nimmst.

Infografik Unfruchtbarkeit beim Mann: vier Fakten zum Kinderwunsch
Vier Fakten, die jeder Mann mit Kinderwunsch kennen sollte.

Behandlung und Wege zum Wunschkind

Die Behandlung der Unfruchtbarkeit beim Mann hängt von der Ursache ab. Ein Teil lässt sich direkt beheben, in anderen Fällen hilft die Reproduktionsmedizin.

Ursache behandeln

Krampfadern am Hoden oder verschlossene Samenleiter lassen sich oft operativ behandeln. Nach einer Sterilisation ist eine Refertilisierung möglich. Infektionen werden mit Antibiotika behandelt, bestimmte Hormonstörungen mit Medikamenten.

Künstliche Befruchtung

  • Insemination (IUI)Aufbereitete Spermien werden zum Eisprung direkt in die Gebärmutter gegeben. Geeignet bei leicht eingeschränkten Werten.
  • IVFEizellen und Spermien kommen im Labor zusammen, der Embryo wird anschließend eingesetzt.
  • ICSIEin einzelnes Spermium wird direkt in die Eizelle gespritzt. Das klappt selbst bei sehr wenigen Spermien.
  • TESESind im Ejakulat gar keine Spermien, werden sie in einem kleinen Eingriff direkt aus dem Hoden gewonnen und per ICSI genutzt.

Weitere Optionen sind Spendersamen oder eine Adoption. Welcher Weg passt, besprichst du am besten mit einem Urologen oder einem Kinderwunschzentrum. Einen Überblick über alle Therapien findest du unter Behandlung der Sterilität.

Was du selbst tun kannst

Neue Spermien brauchen rund drei Monate, bis sie reif sind. Was du heute änderst, zeigt sich also erst im Spermiogramm in drei Monaten. Dafür lohnt es sich gleich doppelt.

  • Richtiges TimingSex alle zwei bis drei Tage gilt als ideal3. Lange „Spermien sparen“ bringt nichts, die Beweglichkeit leidet sogar.
  • RauchstoppRauchen schadet den Spermien nachweislich. Aufhören lohnt sich auch hier.
  • GewichtStarkes Übergewicht stört den Hormonhaushalt. Schon ein paar Kilo weniger helfen.
  • Hitze meidenDie Hoden mögen es kühl. Weniger Sauna, keine Sitzheizung im Dauerbetrieb, Laptop auf den Tisch.
  • ErnährungViel Obst, Gemüse und Fisch tun gut. Mehr dazu unter Ernährung bei Sterilität.
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Häufige Fragen zur Unfruchtbarkeit beim Mann

Kann man Unfruchtbarkeit beim Mann selbst testen?

Es gibt Heimtests aus der Apotheke, die meist nur die Spermienkonzentration messen. Sie können einen ersten Hinweis geben, ersetzen aber kein Spermiogramm. Beweglichkeit und Form der Spermien erfassen sie nicht oder nur grob. Bei Kinderwunsch ist der Weg zum Urologen deshalb der verlässlichere.

Ist Unfruchtbarkeit beim Mann heilbar?

Das hängt von der Ursache ab. Krampfadern am Hoden, Infektionen, Hormonstörungen oder ein ungesunder Lebensstil lassen sich oft behandeln. Bei genetischen Ursachen oder schweren Hodenschäden ist eine Heilung meist nicht möglich. Mit ICSI und TESE kann trotzdem häufig ein eigenes Kind gezeugt werden.

Wie lange dauert es, bis sich die Spermien erholen?

Ein Spermium braucht rund drei Monate von der Bildung bis zur Reife. Veränderungen im Lebensstil, das Absetzen von Medikamenten oder eine Behandlung zeigen sich deshalb frühestens nach etwa drei Monaten im Spermiogramm. Nach Anabolika kann die Erholung deutlich länger dauern.

Macht Testosteron fruchtbarer?

Nein, eher im Gegenteil. Von außen zugeführtes Testosteron bremst die körpereigene Hormonsteuerung, die Hoden bilden dann weniger Spermien. Im Extremfall finden sich gar keine Spermien mehr im Ejakulat. Bei Kinderwunsch solltest du eine Testosterontherapie immer mit deinem Arzt besprechen.

Wer zahlt das Spermiogramm?

Bei unerfülltem Kinderwunsch übernimmt die gesetzliche Krankenkasse in der Regel die Kosten, wenn ein Arzt die Untersuchung veranlasst. Wer das Spermiogramm ohne medizinischen Grund machen lässt, zahlt meist selbst. Für die künstliche Befruchtung gelten eigene Regeln, mehr dazu unter Kostenübernahme.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Unfruchtbarkeit liegt vor, wenn nach einem Jahr Sex ohne Verhütung keine Schwangerschaft eintritt.
  • Bei etwa jedem zweiten betroffenen Paar ist der Mann beteiligt.
  • Unfruchtbarkeit verursacht meist keine Beschwerden und hat nichts mit der Erektion zu tun.
  • Das Spermiogramm prüft Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien nach WHO-Werten.
  • Häufige Ursachen sind Varikozele, Hormonstörungen, Infektionen, Rauchen und Anabolika.
  • Selbst bei sehr wenigen Spermien ist mit ICSI oft ein eigenes Kind möglich.
Quellen und Studien (5)
  • Agarwal A. et al. (2015): A unique view on male infertility around the globe. Reproductive Biology and Endocrinology 13:37
    nih.gov
  • Gnoth C. et al. (2003): Time to pregnancy: results of the German prospective study and impact on the management of infertility. Human Reproduction 18(9)
    nih.gov
  • National Institute for Health and Care Excellence (NICE): Fertility problems, Hinweise bei verzögerter Empfängnis
    nice.org.uk
  • Sixth edition of the WHO laboratory manual of semen analysis: Updates and essential take away for busy clinicians (2023). Arab Journal of Urology
    nih.gov
  • Leslie S.W. et al.: Male Infertility. StatPearls, National Library of Medicine
    nih.gov

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