Medikamente bei Anejakulation

Störungen der Ejakulation sind meist durch eine Rückenmarksverletzung oder eine neurologische Erkrankung wie MS oder bestimmte Formen von Diabetes bedingt. Eine Anejakulation kann jedoch auch als Nebenwirkung eines Medikaments entstehen oder psychische Ursachen haben.

Zur Behandlung wird derzeit vor allem die Stimulation des männlichen Fortpflanzungsapparats mit vibratorischen und elektrischen Impulsen eingesetzt. Eine andere Möglichkeit, die sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Entwicklung befindet, bietet die Pharmakologie. Im folgenden Artikel stellen wir die bekanntesten Medikamente gegen einen trockenen Orgasmus vor.

Inhaltsübersicht:
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    Jens Winkler
    Jens Winkler

    Aktualisiert: 19. September 2021 | Medizinisch überprüft von: Klaus Marquardt

    Redaktion

    Einsatz von Medikamenten bei Anejakulation

    Nach heutigem Stand wird eine Behandlung von Anejakulation mit Medikamenten nicht empfohlen, da die Wirksamkeit bisher nicht in einem ausreichenden Grad belegt werden konnte. Insbesondere die Methoden der Vibroejakulation und der Elektroejakulation sind bedeutend effektiver, sodass diese zur Therapie von Anejakulation immer zuerst Anwendung finden.1Guidelines on Male Infertility – uroweb.org

    Bei den Botenstoffen Dopamin, Noradrenalin und Oxytocin handelt es sich um nachweislich ejakulationsfördernde Substanzen, sodass ihre Verwendung zur Behandlung einer ausbleibenden Ejakulation denkbar ist. Als Behandlungsform sind sie jedoch bisher nicht zugelassen, sie werden lediglich in Japan in Form von Off-Label-Therapien eingesetzt.2Clinical review of ejaculatory dysfunction – doi.org

    Die Lage verhält sich etwas anders, wenn psychische Ursachen die Anejakulation hervorrufen oder verstärken. Hier ergibt sich die Möglichkeit, den Patienten mit Hilfe einer Verhaltenstherapie zu behandeln, die mit der Verabreichung von Medikamenten wie Dapoxetin oder einem anderen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer begleitet wird. Da sich auf diese Weise die seelische Verfassung des Betroffenen tendenziell verbessert, dient diese Therapieform auch der Behandlung seiner Anejakulation.3The office management of ejaculatory disorders – tau.amegroups.com

    Medikamentöse Behandlung von retrograder Ejakulation

    Zu den Ejakulationsstörungen zählt auch die retrograde Ejakulation. Hierbei wird das Ejakulat normal produziert, jedoch in die entgegengesetzte Richtung ausgestoßen. In der Folge gelangt es in die Blase und färbt den Urin dunkel.

    Ist die Störung nicht durch eine Rückenmarksverletzung verursacht worden, sondern spielen Faktoren wie eine Anomalie der Harnröhre oder der Konsum von Medikamenten und Drogen eine Rolle, gilt die Verabreichung von Arzneimitteln als bevorzugter Therapieansatz.2Quelle | doi.org

    Zur Behandlung eines Verschlusses des Blasenhalses werden Medikamente eingesetzt, die die Aktivität des Sympathikus erhöhen oder die Aktivität des Parasympathikus verringern, da diese Teile des vegetativen Nervensystems im direkten Zusammenhang mit den Vorgängen der Harnröhre stehen. Verabreicht werden zu diesem Zweck die  Sympathomimetika Ephedrin und Midodrin, wobei Ephedrin Studien zufolge mehr Erfolge aufzeichnet.

    Auch Antihistaminika wie Dexbrompheniramin werden für eine ähnliche Wirkungsweise eingesetzt. Weiterhin üblich für die Behandlung von retrograder Ejakulation sind die trizyklischen Antidepressiva Desipramin und Imipramin. Übliche Nebenwirkungen dieser Medikamente sind Schlafstörungen, Übelkeit, Unruhe und vermehrtes Schwitzen. 3The office management of ejaculatory disorders – tau.amegroups.com 1Guidelines on Male Infertility – uroweb.org

    Medikamente absetzen

    Eine ausbleibende oder retrograde Ejakulation kann als Nebenwirkung verschiedener Medikamente auftreten. Zu den Arzneimitteln, die eine Anejakulation bedingen können, zählen unter anderem Psychopharmaka wie Neurolepika oder Antidepressiva oder auch verschiedene Mittel gegen Bluthochdruck, Epilepsie und Medikamente zur Behandlung einer HIV-Infektion. Ebenso können einige Wirkstoffe, die gegen erektile Dysfunktion eingesetzt werden, ähnliche Problematiken verursachen.

    Nach dem Grad der Beschwerden und den individuellen Untersuchungsergebnissen werden die für die ejakulatorische Störung verantwortlichen Arzneimittel entweder abgesetzt oder reduziert, damit die Ejakulation wieder erreicht werden kann.

    Eine Absetzung oder Veränderung der medikamentösen Therapie erfolgt in der Regel unter strenger medizinischer Beobachtung und auch nur solange, bis der Kinderwunsch erfüllt werden konnte.3The office management of ejaculatory disorders – tau.amegroups.com 2Clinical review of ejaculatory dysfunction – doi.org

    Verschreibung vom Arzt

    Alle Medikamente die gegen die Anejakulation eingesetzt werden können, müssen von einem Facharzt verschrieben werden. Nicht immer ist der Einsatz von Arzneimittel die richtige Ansatz, daher ist eine ausführliche Untersuchung beim Arzt zwingend erforderlich. 

    Auch das absetzen von Medikamenten welche für die Anejakulation verantwortlich sein könnten, sollte nur gemeinsam mit einem Arzt besprochen werden. Damit werden gefährliche Folgen durch das Absetzen der Arzneimittel verhindert. 

    Eine Liste von bekannten Ärzten für diese Thematik, haben wir in unserer Datenbank aufgenommen.

    Literatur:

    1. Guidelines on Male Infertility – uroweb.org
    2. Clinical review of ejaculatory dysfunction – doi.org
    3. The office management of ejaculatory disorders – tau.amegroups.com

    Foto: © okskaz / shutterstock.com