Impotenz im Alter

Sex spielt für viele Männer auch im Alter noch eine wichtige Rolle: Erst ab ca. 75 Jahren sinkt der Wunsch nach Geschlechtsverkehr deutlich. Allerdings leiden in der Kohorte der 60 bis 69-Jährigen bereits bis zu 35 % unter Impotenz. Doch was genau sind die Ursachen für Impotenz im Alter?

Aufklärung: Um überhaupt eine Erektion zu haben, müssen viele körperliche Faktoren zusammen spielen: Sowohl Nervensystem als auch Hormone sorgen für entsprechende Reizweiterleitung, die zwischen Gehirn und Penis vermittelt werden. Muskeln und Blutgefäße bewerkstelligen die physikalische Übersetzung, um die Erektion zu erzeugen und zu halten. Wenn im Alter eine dieser Funktionen Schwäche zeigt, kommt es zu einem Kollaps des Systems – die Erektion verliert an Härte oder bleibt ganz aus.

Hinweis: Von einer erektilen Dysfunktion wird erst dann gesprochen, wenn über einen Zeitraum von 6 Monaten, in mehr als 70% der Fälle keine ausreichende Erektion aufgebaut oder gehalten werden kann.

Inhaltsübersicht:
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    Jens Winkler
    Jens Winkler

    Aktualisiert: 7 September, 2020 | Medizinisch überprüft von: Klaus Marquardt

    Redaktion

    Häufigkeit von Impotenz im Alter

    Eine Kölner Studie aus dem Jahr 2009 unter fast 4.500 Befragten zeigt deutlich: Rund 71 % der über 70-Jährigen sind sexuell noch aktiv – insgesamt 41,5 % sogar mindestens einmal wöchentlich. In Deutschland leidet mittlerweile jeder fünfte Mann unter erektiler Dysfunktion (ED). Dabei steigt das Risiko zwischen 30 und 59 Jahren linear an – ab 60 Jahren dann sogar exponentiell.1Epidemiology of erectile dysfunction: Results of the ‚Cologne Male Survey‘ – doi.org

    Kölner Studie:

    Teilnehmer

    4489 Männer zwischen 30 bis 80 Jahren. (Durchschnittsalter 51,8 Jahre)

    Teilnehmer

    Ergebnisse

    15,7 % in der Altersgruppe zwischen 50 und 59 Jahren leiden unter leichter bis mäßiger Impotenz. Im Alter von 60 bis 69 Jahre, verdoppelte sich die Anzahl auf rund 35 %. Im Alter über 70 Jahren, sind über 50 % der Männer betroffen.

    Ergebnisse
    30 bis 39 Jahre:
    2%
    40 bis 49 Jahre:
    9%
    50 bis 59 Jahre:
    15%
    60 bis 69 Jahre:
    34%
    + 70 Jahre:
    53%

    Massachusetts Male Aging Study

    Auch in den USA hat sich eine Studie den Altersursachen der Impotenz gewidmet. Hierbei wurden insgesamt 1709 Männer im Alter von 40 bis 70 Jahren über das Sexualleben und der Erektionsfähigkeit befragt.2Impotence and its medical and psychosocial correlates: results of the Massachusetts Male Aging Study Jonathan LevyFirst Published July 1, 2002 – doi.org

    Bei 52 % der 1709 Männern wurde eine Impotenz (erektile Dysfunktion) diagnostiziert. Dabei stieg die Zahl einer einer kompletten erektile Dysfunktion im zunehmenden Alter von 5 auf 15 % an.

    9 Jahre nach der ersten Studie, wurden 77 % der Teilnehmer erneut befragt. Innerhalb dieser neun Jahre stieg das Risiko an Impotenz zu leiden um 26 % an. 

    Ursachen im Alter physischer & psychischer Natur

    Die Ursachen für eine Impotenz im Alter sind mannigfaltig: Gerade mit zunehmenden Alter hat der menschliche Körper mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen. Einerseits baut durch Mangel an Bewegung die Muskulatur zusehends ab – was eine gleichzeitige Beeinträchtigung des Herz-Kreislauf-Systems mit sich bringt. Andererseits steigt das Risiko, dass der Körper durch Grunderkrankungen zusätzlich geschwächt wird.

    Aber auch die Psyche spielt eine wichtige Rolle: Bei rund 70 % der an erektiler Dysfunktion erkrankten Männer sind körperliche Ursachen der Grund. Im Rest der Fälle findet sich die Ursache in psychischen und seelischen Dysbalancen. Meist führt eine Kombination aus beidem zu der Erkrankung.

    Bekannte Ursachen von Impotenz im Alter:

    Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes

    Eine der häufigsten Ursachen für Impotenz im Alter sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. 

    Durch Arterienverkalkung und Arteriosklerose wird die Blutzufuhr in den Penis stark beeinträchtigt. Da sich Blutgefäße nicht mehr so gut öffnen können, werden die Schwellkörper im Penis auch nicht mehr ausreichend durchblutet. Häufig führt die Verkalkung der Arterien dazu, dass Blut wieder aus dem Penis zurückfließt.

    Die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus geht einer Herz-Kreislauf-Erkrankung meist voraus. Zuckermoleküle verstopfen die Blutbahn und stören entsprechend die ungehinderte Blutzirkulation. Auch hoher Blutdruck kann Probleme verursachen: Durch zunehmend verengte Gefäße fließt weniger Blut in den Penis.

    Impotenz im Alter durch Nikotin & Alkohol

    Grundsätzlich sind sowohl Rauchen als auch Alkohol für den Körper eine vermeidbare Belastung. 

    Zwar zeigte die Kölner Studie keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Rauchen bzw. Alkohol und der erektilen Dysfunktion, dennoch ist der Zusammenhang denkbar logisch. Vor allem häufiger Nikotinkonsum kann zu Durchblutungsstörungen und weiteren Erkrankungen führen.

    Dem Alkohol & Nikotinkonsum alleine kann die Urasche der Impotenz im Alter nicht zugeordnet werden. Den Folgeerkrankungen die durch regelmäßigen Nikotin & Alkoholkonsum entstehen, allerdings schon. 

    Hinweis: Alkohol greift Nerven sowohl im Gehirn als auch im Rückenmark an. Dies kann zu einer Polyneuropathie führen, wodurch es zu Problemen bei der Reizweiterleitung kommen kann.

    Beckenoperationen und LUTS

    Grundsätzlich sind sowohl Rauchen als auch Alkohol für den Körper eine vermeidbare Belastung. 

    Wer sich im Laufe seines Lebens einer Beckenoperation unterzieht, hat ein deutlich höheres Risiko an Impotenz zu erkranken – es zeigt sich in alten Altersklassen ein überproportionaler Anteil an Operierten. Wer Symptome im unteren Teil des Harntrakts zeigt (LUTS = lower urinary tract symptoms), hat ebenfalls ein erhöhtes Risiko, Impotenz auszubilden. Ab 50 Jahren liegt der Anteil mit derartigen Symptomen zwischen 70 und 80 %.

    Wichtig: Durch Operationen und andere Erkrankungen des Harntrakts können Gefäße oder Reiz übertragende Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden. Dies führt zu einer Schwächung des gesamten Prozesses, der für eine Erektion verantwortlich ist.

    Seelische Erkrankungen als Ursache

    Laut einer Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN) sind jährlich rund 28 % der erwachsenen Bundesbürger von psychischen Erkrankungen betroffen – Tendenz steigend.3Psychische Erkrankungen in Deutschland: Schwerpunkt Versorgung Eine Publikation der DGPPN – dgppn.de

    Vor allem Stress, Leistungsdruck und Depressionen können sich langfristig negativ auf die Potenz eines Mannes auswirken. Auch fehlende Selbstsicherheit oder andauernde Konflikte in einer Partnerschaft führen dazu, dass körperliche Prozesse gehemmt werden. Dies hat mitunter eine sich ausbildende erektile Dysfunktion zur Folge.

    Wichtig: Durch Operationen und andere Erkrankungen des Harntrakts können Gefäße oder Reiz übertragende Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden. Dies führt zu einer Schwächung des gesamten Prozesses, der für eine Erektion verantwortlich ist.

    Literatur:

    1. Epidemiology of erectile dysfunction: Results of the ‚Cologne Male Survey‘ – doi.org
    2. Impotence and its medical and psychosocial correlates: results of the Massachusetts Male Aging Study Jonathan LevyFirst Published July 1, 2002 – doi.org
    3. Psychische Erkrankungen in Deutschland: Schwerpunkt Versorgung Eine Publikation der DGPPN – dgppn.de
    4. Erectile Dysfunction Common With Age – WebMD

    Foto: © paulaphoto / shutterstock.com