Depressionen & Impotenz

Bei Erektionsstörungen ist eine der ersten Fragen häufig, ob körperliche oder psychische Probleme dafür verantwortlich sind. Oft wird dabei allerdings vergessen, dass Psyche und Körper eine Einheit sind und sich gegenseitig stark beeinflussen. Das Paradebeispiel für diesen engen Zusammenhang ist die Depression. Wir berichten über den Zusammenhang zwischen Impotenz und Depressionen – vor allem wenn diese als Auslöser der Erektionsstörung gelten. 

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    Jens Winkler
    Jens Winkler

    Aktualisiert: 24. Februar 2021 | Medizinisch überprüft von: Klaus Marquardt

    Redaktion

    Was sind Depressionen?

    Bei einer Depression handelt es sich um eine anhaltende Störung des Antriebs und der Gefühlslage. Im Unterschied zu Stimmungsschwankungen, die keinen Krankheitswert haben, dauern die Beschwerden bei Depressionen länger an und verschwinden nur selten von selbst.

    Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass diese Krankheit noch immer stark unterschätzt wird. Nach Angaben der Krankenkasse leiden in Deutschland fast 10 % der Bevölkerung unter Depressionen, Frauen deutlich häufiger als Männer.1Zahlen und Fakten über Depression – Stiftung Deutsche Depressionshilfe | aok-bv.de

    Der große Unterschied zwischen den Geschlechtern ist auch darin begründet, dass sich die Symptome bei Männern und Frauen verschieden äußern. Daher wird die Krankheit bei Männern wahrscheinlich seltener erkannt.

    Seltene Behandlung aus Schamgefühl

    Außerdem scheuen sich Männer oft, professionelle Hilfe zu suchen und eine Therapie in Anspruch zu nehmen. Das verbindet Depressionen und Impotenz, denn auch Erektionsstörungen sind immer noch zu Unrecht schambehaftet.

    Symptome von Depressionen

    Grob werden die Symptome eingeteilt in psychische und körperliche Beschwerden, darüber hinaus in Haupt- und Nebensymptome.

    Generell gilt, dass eine Depression erst diagnostiziert werden kann, wenn die Beschwerden länger als zwei Wochen anhalten. Mindestens zwei Symptome aus jeder der zwei Gruppen sind Grundlage für die Diagnose, darüber hinaus bestimmen sie den Schweregrad.2Diagnose der Depression | deutsche-depressionshilfe.de

    Kleine Nebensymptome

    Unter den Nebensymptomen sind neben psychischen auch körperliche Zeichen zu finden:

    Konzentrationsstörungen

    Es fällt schwer, sich länger mit einer Sache zu beschäftigen und auch Gedächtnis und Aufmerksamkeit können beeinträchtigt sein.

    Selbstabwertung

    Das Selbstwertgefühl nimmt ab und Betroffene trauen sich früher schaffbare Aufgaben nicht mehr zu.

    Konzentrationsstörungen

    Erkrankte fühlen sich wertlos und befürchten, Angehörigen und Freunden zur Last zu fallen.

    Auswegslosigkeit

    Depressive sehen keine Hoffnung für die Zukunft und sind häufiger von Existenzängsten betroffen.

    Suizidalität

    Der psychische Zustand verschlechtert sich so stark, dass Selbstmord oder Selbstverletzung als letzter Ausweg scheint.

    Schlafstörungen

    Körperlich und psychisch sehr belastend sind Einschlafstörungen und mehrmaliges nächtliches Erwachen.

    Veränderter Appetit

    Verminderter oder erhöhter Appetit. Dementsprechend kann es zu ungewolltem Gewichtsverlust oder zur Zunahme kommen.

    Schmeren

    Häufig sind unspezifische Kopf-, Bauch- oder Rückenschmerzen, für die keine körperliche Grunderkrankung gefunden werden kann.

    Impotenz

    Die Libido geht zunehmend verloren. Bei Männern äußert sich dies in einer erektilen Dysfunktion und einer generellen Abnahme des sexuellen Interesses. Die Erektionsstörungen und das verminderte Interesse an Sex kann in einer einer Partnerschaft zu Konflikten führen.

    Ursachen von Depressionen

    Warum genau ein Mensch an einer Depression erkrankt, lässt sich im Einzelfall nur selten klären. Diskutiert werden besonders genetische Faktoren, Stoffwechselstörungen, bestimmte Persönlichkeitsstrukturen und erlebte Traumata.

    Die Gene beeinflussen das Auftreten von Depressionen, wie anhand von Zwillingsstudien festgestellt wurde. Eine Häufung innerhalb einer Familie kann damit sowohl genetisch bedingt sein als auch durch die Erziehung und die Weitergabe von familiären Belastungen.3Arzneimittel und Therapie: Megastudie zeigt neue Risikogenvariante für Depression | deutsche-apotheker-zeitung.de

    Unter Stoffwechselstörungen werden Ungleichgewichte und Mangelzustände der Botenstoffe im Gehirn zusammengefasst. Sogenannte Neurotransmitter wie Noradrenalin, Serotonin, Dopamin, Acetylcholin und Gamma-Aminobuttersäure sorgen dafür, dass ein Reiz von einer Nervenzelle auf die nächste übertragen wird. Wenn dieses System gestört ist, können Depressionen oder andere psychische Erkrankungen die Folge sein.

    Eine große Rolle spielt die individuelle Persönlichkeit, die sowohl durch die Gene als auch durch das soziale Umfeld beeinflusst wird. Eine liebevolle Erziehung in einem stabilen Umfeld trägt wesentlich zur späteren psychischen Gesundheit bei. Im Gegenzug können Verlusterfahrungen in der Kindheit, Gewalt oder auch ein überbehütender Erziehungsstil zu Depressionen führen.

    Auslöser nicht immer erkennbar

    Bei einer Depression muss kein direkter Auslöser erkennbar sein.

    Traumata wie Trennungen, Verletzungen und Krankheiten, Todesfälle oder andere stresserzeugende Erlebnisse begünstigen jedoch den Ausbruch von Depressionen.

    Davon abzugrenzen sind depressive Episoden, die sich eindeutig auf eine körperliche Ursache zurückführen lassen, beispielsweise bei einer Schilddrüsenunterfunktion. Wird diese adäquat behandelt, verschwinden meist auch die psychischen Beschwerden.

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    pikselstock / shutterstock.com

    Zusammenhang von Depressionen und Impotenz

    Typischerweise sind mehrere Faktoren an der Entstehung der von Depressionen beteiligt.

    Auch anhaltende Erektionsstörungen und damit verbundene Versagensängste und Minderwertigkeitsgefühle können Depressionen mitverursachen. Besonders problematisch ist dies in Beziehungen, wo das Thema Erektionsstörungen ein Tabu ist oder der betroffene Mann eine Abwertung befürchtet oder sogar erfährt.

    Umgekehrt können allerdings auch Depressionen die Libido vermindern und somit die Impotenz begünstigen. Auf diese Weise entsteht ein Teufelskreis, der nur durch eine Therapie unterbrochen werden kann.

    In der Abklärung einer erektilen Dysfunktion ist eine wichtige Frage, ob nächtliche und morgendliche Spontanerektionen auftreten. Wenn das der Fall ist oder sich eine Erektionsstörung nur in bestimmten Situationen bzw. gegenüber einem bestimmten Partner oder Partnerin zeigt, ist eine psychische Ursache wahrscheinlich. Im Unterschied dazu sind bei körperlichen Ursachen für Impotenz Spontanerektionen und Erektionen aufgrund sexueller Erregung gleichermaßen vermindert.

    Therapie bei Depressionen und Impotenz

    Grundsätzlich beruht die Therapie einer Depression auf zwei Säulen: der medikamentösen Therapie und der Psychotherapie. Wenn eine Impotenz besteht, müssen bei der Behandlung einige besondere Aspekte beachtet werden.

    Medikamente

    Da eine mögliche Ursache für Depressionen eine Stoffwechselstörung im Gehirn ist, greifen hier zahlreiche Medikamente an. Sie werden als Antidepressiva bezeichnet und erhöhen die Konzentration an Botenstoffen durch verschiedene Mechanismen.

    Bedeutend im Hinblick auf sexuelle Nebenwirkungen sind selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Sie verbessern die Stimmungslage, können aber belastende Erektionsstörungen auslösen oder verstärken. Manchmal bleiben diese auch nach Absetzen der Medikamente bestehen.4Medikamente als Verursacher sexueller Dysfunktionen: Eine Analyse von Daten des deutschen Spontanerfassungssystems | – Dtsch Arztebl 2002; 99(46): A-3108 / B-2627 / C-2452 | aerzteblatt.de

    Helfen Potenzmittel bei Impotenz mit Depressionen? Es gibt Hinweise darauf, dass PDE-5-Hemmer wie Sildenafil (Viagra®) eine Impotenz, die durch Antidepressiva verstärkt worden ist, aufheben können. Sildenafil und verwandte Wirkstoffe können aber nur helfen, wenn der Mann sexuelle Lust verspürt. Wurden die Erektionsstörungen durch verminderte Lust auf Sex ausgelöst, können auch diese Mittel nicht helfen.

    Psychotherapie

    Es gibt verschiedene Arten der Psychotherapie und nicht jede Form ist für jeden Patienten geeignet. Grundsätzlich soll dabei der Umgang mit der Krankheit verändert werden: Der Betroffene ergründet unter professioneller Anleitung mögliche Auslöser und erlernt Bewältigungsstrategien.

    Spezifischer im Hinblick auf Erektionsstörungen ist eine Sexualtherapie. Dabei werden gezielt Übungen durchgeführt, die die Potenz verbessern. Sowohl Singles als auch Paare profitieren davon und können so auf eine sexuell befriedigende Zukunft hoffen.

    Behandlung der Ursache empfohlen

    Wenn Potenzmittel gegen Impotenz zeitgleich mit Antidepressiva eingenommen werden, können zwar in vielen Fällen dennoch die Symptome der Erektionsstörung behoben werden, aber die Ursache der Impotenz bleibt bestehen. 

    Um langfristig die Depressionen zu verringern, ist es daher empfehlenswert mittels professioneller Hilfe den ursprünglichen Auslöser der Depressionen zu behandeln.

    Wenn die Depressionen allerdings erst durch eine bereits bestehende Erektionsstörung entstanden sind, können die Behandlungsmethoden der Impotenz bereits für eine Besserung der Potenz und somit auch für eine Besserung der Depressionen sorgen. Hilfe erhalten Männer bei qualifizierten Urologen.  

    Literatur:

    1. Zahlen und Fakten über Depression – Stiftung Deutsche Depressionshilfe | aok-bv.de
    2. Diagnose der Depression | deutsche-depressionshilfe.de
    3. Arzneimittel und Therapie: Megastudie zeigt neue Risikogenvariante für Depression | deutsche-apotheker-zeitung.de
    4. Medikamente als Verursacher sexueller Dysfunktionen: Eine Analyse von Daten des deutschen Spontanerfassungssystems | – Dtsch Arztebl 2002; 99(46): A-3108 / B-2627 / C-2452 | aerzteblatt.de

    Foto: © TheVisualsYouNeed / shutterstock.com