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Medikamente gegen Sterilität

Ist die Spermienqualität eines Patienten nicht ausreichend für die erfolgreiche Befruchtung einer Eizelle gegeben, kann sie unter Umständen mithilfe von Medikamenten erhöht werden.

Hierbei ist jedoch immer die genaue Ursache für die Sterilität zu beachten. Die verabreichten Arzneimittel behandeln nicht die Unfruchtbarkeit selbst, sondern stets die Ursache, die zur Sterilität führt. Welche Medikamente möglicherweise zur Behandlung infrage kommen, kann daher von Patient zu Patient sehr unterschiedlich ausfallen.

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    Jens Winkler

    Aktualisiert: 31. Januar 2023 | Medizinisch überprüft von: Klaus Marquardt

    Redaktion

    Antibiotika-Behandlung bei Infektionen

    In einigen Fällen können sexuell übertragbare Erkrankungen wie Chlamydien oder Gonorrhoe eine Infertilität beim Mann verursachen.

    Auch bei anderen Infektionen wie Tuberkulose ist die Zeugungsunfähigkeit eine mögliche Spätfolge. Wird eine solche Infektion diagnostiziert, ist die Behandlung mit Antibiotika das erste Mittel der Wahl und sollte so schnell wie möglich eingesetzt werden.

    Die Spermienqualität wird in der Regel erst durch eine fehlende oder zu späte Behandlung der Infektion merklich in Mitleidenschaft gezogen. Aus diesem Grund kann eine rechtzeitige Therapie mit Antibiotika die Infertilität als Symptom fast immer verhindern.1Infections and infertility – doi.org

    Vergabe nur durch den Arzt

    Je nach der Art der Erkrankung und dem jeweiligen Krankheitserreger werden verschiedene Antibiotika-Substanzen verabreicht. Gleichzeitig gibt es jedoch auch Breitband-Antibiotika, die bei verschiedenen Bakterien-Typen wirksam sind.

    Welches Antibiotikum bei einem jeweiligen Patienten-Fall den besten Effekt erzielt, entscheidet der behandelnde Arzt.2Antibiotika und Antibiotika-Behandlung: Arten, Einnahme, Nebenwirkungen – deutsche-familienversicherung.de Antibiotika gehören in der EU zu den verschreibungspflichtigen und apothekenpflichtigen Medikamenten.3Online-Ratgeber Arznei-, Heil- und Hilfsmittel Zugang zu Arzneimitteln – bundesgesundheitsministerium.de

    Hormon-Behandlung bei Testosteronmangel

    Eine Ursache der Sterilität liegt in einer Funktionsstörung der Geschlechtsdrüsen, welche mit einer verminderten hormonellen Aktivität der Hoden einhergeht. Diese Störung wird als Hypogonadismus bezeichnet und bei ihr fehlt dem Körper das Hormon Testosteron in ausreichender Menge.

    Ein Mangel an Testosteron verringert die Spermienproduktion und führt in einem schweren Verlauf sogar zu Unfruchtbarkeit. Zu einem Testosteronmangel kann es ebenso durch eine Prostatakrebs-Behandlung oder durch eine Unterfunktion der Schilddrüse kommen. Dem Vorgang der verringerten Samenproduktion in den Hoden kann mittels einer Zuführung des Hormons Testosteron entgegengewirkt werden.4Testosteronersatztherapie und Prostatakarzinom – prostata.de 5Spermienqualität verbessern Von Dr. Nicole Wendler – netdoktor.de

    Wie wird Testosteron verabreicht?

    Die Substitution von Testosteron erfolgt in den Darreichungsformen Kapsel, Spritze, Gel und Pflaster. Welche Form gewählt wird, muss individuell von einem Arzt entschieden werden und ist von einigen Faktoren abhängig. Zwar besteht die Gefahr von Nebenwirkungen, dennoch hat sich die Testosteron-Behandlung bei Hypogonadismus als Therapieform bewährt.6Testosterone therapy – doi.org

    Nur unter strenger ärztlicher Kontrolle

    Die Einnahme von Testosteron muss trotzdem immer ärztlich beobachtet werden. Das Hormon-Präparat kann nicht frei verkäuflich erworben werden, sondern ist stets nur verschreibungspflichtig erhältlich. Da ein Testosteronmangel zusätzlich zur möglichen Infertilität mit weiteren Einschränkungen und Symptomatiken verbunden ist, ist eine Hormonersatz-Therapie oftmals auch dann sinnvoll, wenn kein Kinderwunsch besteht.7Testosteronmangel – Von den Ursachen bis zur Behandlung – mondosano.de

    Absetzen von Medikamenten,

    Möglichkeit: Absetzen von Medikamenten, welche die Samenqualität herabsetzen.

    Es gibt eine Reihe von Arzneimitteln, deren Einnahme mit einer Verschlechterung der Spermienqualität einhergehen kann. Wird ein solcher Zusammenhang mit einem Wirkstoff entdeckt und besteht ein dringender Kinderwunsch, kann unter ärztlicher Beobachtung das vorübergehende Absetzen dieses Wirkstoffes entschieden werden. Hierbei muss die Gefahr, die sich durch das Absetzen eines Medikaments für den Patienten ergibt, gründlich mit den möglichen Erfolgschancen abgewogen werden. 

    Zu den Medikamenten, welche die Samenqualität vermutlich beeinflussen können, zählen insbesondere folgende Wirkstoffgruppen:

    Antidepressiva

    Antidepressiva werden zur Behandlung von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen eingesetzt. Antidepressiva beeinflussen laut einigen Studien die Testosteronproduktion und haben vermutlich auch eine spermizide Wirkung, hemmen also die Beweglichkeit der Spermien.

    Calciumantagonisten

    Calciumantagonisten werden zur Behandlung von Herz-Erkrankungen und Bluthochdruck verschrieben. Sie verringern nachweislich die Beweglichkeit und die Lebensfähigkeit der Spermien.

    Alphablocker

    Die Alphablocker finden bei der Behandlung von Erkrankungen der unteren Harnwege Anwendung. Einige Medikamente aus der Gruppe der Alphablocker beeinflussen Studien zur Folge die Ejakulationsfähigkeit und verringern zudem das Ejakulationsvolumen. Außerdem werden Konzentration und Beweglichkeit der Spermien negativ beeinflusst.

    Antiepileptika

    Antiepilektika sind Arzneimittel, die zur Behandlung von epileptischen Anfällen eingesetzt werden. Antiepileptika können unter anderem eine Verringerung der Spermien-Beweglichkeit, eine Veränderung der Spemien-Morphologie und eine Verkleinerung der Spermien-Anzahl verursachen. Einige Studien widersprechen sich jedoch in dieser Ansicht.

    Antiretrovirale Medikamente

    Antiretrovirale Medikamente dienen der Behandlung von HIV. Die Therapie wird mit vielen Nebenwirkungen in Verbindung gebracht, die auch die Fertilität beeinflussen können. Das Absetzen von antiretrovirale Medikamenten ist jedoch nicht möglich, ohne die Lebensdauer des Patienten mit HIV erheblich zu verkürzen, sodass diese Maßnahme nicht sinnvoll ist.

    Medikamente nur auf Rezept vom Arzt

    Im Falle von einer medikamentösen Behandlung der Unfruchtbarkeit, werden entsprechende Medikamente nur vom Arzt verabreicht. Dies betrifft sowohl Antibiotika bei einer Infektion oder einer Hormonbehandlung. Wir raten daher dringend dazu, stets einen Arzt aufzusuchen wenn die Sterilität behandelt werden soll. 

    Literatur:

    1. Infections and infertility – doi.org
    2. Antibiotika und Antibiotika-Behandlung: Arten, Einnahme, Nebenwirkungen – deutsche-familienversicherung.de
    3. Online-Ratgeber Arznei-, Heil- und Hilfsmittel Zugang zu Arzneimitteln – bundesgesundheitsministerium.de
    4. Testosteronersatztherapie und Prostatakarzinom – prostata.de
    5. Spermienqualität verbessern Von Dr. Nicole Wendler – netdoktor.de
    6. Testosterone therapy – doi.org
    7. Testosteronmangel – Von den Ursachen bis zur Behandlung – mondosano.de
    8. Effects of Pharmaceutical Medications on Male Fertility – ncbi.nlm.nih.gov 

    Foto: © Indypendenz / shutterstock.com