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Diagnostik bei Impotenz: So läuft die Untersuchung beim Arzt

Was beim Arzttermin wegen Erektionsproblemen passiert, welche Blutwerte wichtig sind und wie du dich am besten vorbereitest. Ohne Fachchinesisch und ohne böse Überraschungen.

⏱ 11 Min. Lesezeit 📅 Aktualisiert: Oktober 2026

Die Diagnostik bei Impotenz ist meist unkomplizierter, als viele Männer befürchten. In den allermeisten Fällen reichen ein Gespräch, eine kurze körperliche Untersuchung und eine Blutabnahme1. Spezialtests mit Spritze oder Messgerät sind nur selten nötig. Und das Wichtigste: Der Arzt hört dieses Thema jeden Tag, für dich ist es vielleicht das erste Mal.

Diagnostik bei Impotenz: Fragebogen, Stethoskop und Blutröhrchen auf dem Arztschreibtisch
Fragebogen, Blutdruck, Blutwerte: Mehr braucht es meistens nicht.
3 SchritteGespräch, Untersuchung und Blutwerte reichen meist für die Diagnose
7–10 Uhrist die richtige Zeit, um Testosteron zu messen, nüchtern
2 Stockwerkezügig Treppen steigen entspricht etwa der Belastung beim Sex

Warum du zum Arzt gehen solltest

Eine ärztliche Diagnose klärt, was hinter deinen Erektionsproblemen steckt, und deckt dabei oft Erkrankungen auf, die du sonst erst viel später bemerkt hättest.

Die Blutgefäße im Penis sind sehr fein. Verengen sie sich, zeigt sich das oft zuerst im Bett und erst Jahre später am Herzen. Deshalb empfehlen Experten, bei jedem Mann mit Erektionsstörung auch das Herz-Kreislauf-Risiko zu prüfen2. Auch ein unentdeckter Diabetes oder ein Testosteronmangel fällt bei der Diagnostik häufig auf.

Dazu kommt: Erst wenn die Ursache klar ist, lässt sich die passende Behandlung finden. Manchmal reicht dann schon ein anderes Medikament, das Weglassen der Zigaretten oder ein paar Gespräche. Mehr zu den Hintergründen findest du unter Erektile Dysfunktion: Definition und Ursachen.

Welcher Arzt ist zuständig?

Erster Ansprechpartner kann dein Hausarzt sein. Er kennt deine Vorgeschichte, kann Blutwerte bestimmen und dich bei Bedarf überweisen. Spezialisten für Erektionsstörungen sind Urologen und Andrologen, also Fachärzte für Männergesundheit. Bei Verdacht auf Herzprobleme kommt ein Kardiologe dazu, bei psychischen Ursachen ein Sexualtherapeut.

Was kostet die Diagnostik? Die Untersuchungen zur Abklärung einer Erektionsstörung zahlt in der Regel die gesetzliche Krankenkasse. Anders sieht es bei der Behandlung aus: Potenzmittel musst du meist selbst bezahlen. Details findest du unter Kostenübernahme.

Eine Liste großer urologischer Kliniken findest du unter Adressen und Hilfe.

Der Ablauf im Überblick

Die Diagnostik läuft in Stufen ab. Erst wenn die Basisuntersuchungen Fragen offenlassen, kommen weitere Tests dazu.

  • Schritt 1Gespräch und Fragebogen: Seit wann, wie oft, in welchen Situationen? Dazu Vorerkrankungen und Medikamente.
  • Schritt 2Körperliche Untersuchung: Blutdruck, Gewicht, Bauchumfang, Abtasten von Penis, Hoden und Prostata.
  • Schritt 3Blutwerte: Blutzucker, Blutfette und Testosteron, am besten morgens nüchtern.
  • Schritt 4Nur bei Bedarf: Ultraschall der Penisgefäße, Injektionstest oder Messung der nächtlichen Erektionen.

Das Gespräch: So bereitest du dich vor

Das Gespräch ist der wichtigste Teil der ganzen Diagnostik. Hier entscheidet sich, ob eher körperliche oder psychische Gründe dahinterstecken und welche Untersuchungen sinnvoll sind. Je ehrlicher du antwortest, desto schneller kommt ihr zum Ziel. Rot werden ist erlaubt, schummeln bringt nichts 😉.

Diese Fragen stellt der Arzt häufig

  • Seit wann bestehen die Probleme?
  • Kam es plötzlich oder schleichend?
  • Wie oft ist die Erektion hart genug für Sex?
  • Hält die Erektion bis zum Ende?
  • Klappt es bei der Selbstbefriedigung?
  • Hast du morgens oder nachts Erektionen?
  • Wie steht es um deine Lust?
  • Gibt es Probleme beim Samenerguss?
  • Gibt es Stress im Job oder in der Beziehung?
  • Welche Medikamente nimmst du?

Oft bekommst du zusätzlich den Fragebogen IIEF-5. Er besteht aus fünf Fragen und hilft, den Schweregrad der Erektionsstörung einzuordnen3. Eine Version zum Durchklicken findest du in unserem Impotenz-Selbsttest. Den kannst du schon vorher ausfüllen und das Ergebnis zum Termin mitnehmen.

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Das solltest du zum Termin mitbringen
Eine Liste aller Medikamente, auch Nahrungsergänzungsmittel · Bekannte Vorerkrankungen · Aktuelle Blutwerte, falls vorhanden · Deine Antworten auf die Fragen oben, gern als Notiz im Handy

Die körperliche Untersuchung

Nach dem Gespräch folgt eine kurze körperliche Untersuchung. Sie ist schmerzfrei und dauert meist nur wenige Minuten.

  • Herz und KreislaufMessung von Blutdruck und Puls. Bluthochdruck ist einer der häufigsten Mitverursacher von Erektionsproblemen.
  • Gewicht und BauchBody-Mass-Index und Bauchumfang. Bauchfett wandelt Testosteron vermehrt in Östrogen um.
  • GenitalienAbtasten von Penis und Hoden, etwa auf Verhärtungen, Verkrümmungen oder kleine Hoden.
  • ProstataJe nach Alter und Beschwerden wird die Prostata über den Enddarm abgetastet.
  • KörperbauHinweise auf Hormonmangel, zum Beispiel wenig Körperbehaarung oder vergrößerte Brustdrüsen.

Diese Blutwerte werden bestimmt

Die Blutabnahme gehört bei Erektionsstörungen zur Grunddiagnostik. Laut Fachgesellschaften werden diese Werte bei jedem Mann bestimmt4:

  • Nüchternblutzucker oder HbA1c
  • Blutfette (Cholesterin, Triglyceride)
  • Gesamt-Testosteron

Wichtig beim Testosteron: Der Wert schwankt über den Tag und ist morgens am höchsten. Die europäische Urologen-Leitlinie empfiehlt deshalb die Messung zwischen 7 und 10 Uhr und nüchtern1. Ein niedriger Wert am Nachmittag ist also kein Beweis für einen Mangel. Mehr dazu unter Testosteronmangel.

Weitere Werte bei Bedarf

Je nach Vorgeschichte und ersten Ergebnissen kann der Arzt zusätzliche Werte anfordern:

  • LH, FSH und Prolaktin bei niedrigem Testosteron
  • SHBG und freies Testosteron
  • Schilddrüsenwerte (TSH)
  • Kleines Blutbild
  • Leber- und Nierenwerte
  • PSA bei Auffälligkeiten an der Prostata
Infografik Diagnostik bei Impotenz: vier Schritte beim Arzttermin
Die vier Schritte beim Arzt auf einen Blick.

Herz-Check: Bist du fit für Sex?

Bevor dein Arzt Potenzmittel verschreibt, prüft er, ob dein Herz die Belastung beim Sex mitmacht. Die Princeton-Konsensusgruppe, ein internationales Expertengremium aus Kardiologen und Urologen, hat dafür ein einfaches Schema entwickelt5.

Der Treppentest: Sex mit dem gewohnten Partner belastet den Körper ungefähr so wie zwei Stockwerke zügig Treppensteigen oder rund 1,6 Kilometer in 20 Minuten auf ebener Strecke6. Schaffst du das ohne Brustschmerzen oder starke Atemnot, gilt dein Risiko meist als niedrig.

Je nach Befund teilt der Arzt dein Risiko in drei Stufen ein:

  • Niedriges RisikoKeine weiteren Herztests nötig. Die Erektionsstörung kann direkt behandelt werden.
  • Mittleres RisikoEin Belastungs-EKG auf dem Laufband oder Fahrrad klärt, wie belastbar dein Herz ist.
  • Hohes RisikoErst muss das Herz behandelt und stabilisiert werden, bevor Sex und Potenzmittel wieder auf dem Plan stehen.

Spezialuntersuchungen

Die folgenden Tests sind nur nötig, wenn die Basisdiagnostik keine klare Antwort liefert oder eine Operation geplant ist. Für die meisten Männer ändern sie an der Behandlung wenig.

Doppler-Ultraschall des Penis

Mit einem speziellen Ultraschall misst der Arzt, wie gut Blut in den Penis hinein- und wieder herausfließt. Dafür wird meist ein gefäßerweiterndes Medikament in den Schwellkörper gespritzt, damit eine Erektion entsteht. Der Pieks ist mit einer sehr feinen Nadel und meist gut auszuhalten.

Schwellkörper-Injektionstest (SKIT)

Auch hier wird ein Medikament in den Schwellkörper gespritzt. Entsteht danach eine feste Erektion, sind die Gefäße im Penis vermutlich in Ordnung. Der Test zeigt außerdem, ob die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie als Behandlung infrage kommt. Selten hält die Erektion zu lange an, dann muss sie in der Praxis beendet werden.

Messung der nächtlichen Erektionen

Gesunde Männer haben im Schlaf drei- bis fünfmal pro Nacht eine Erektion, meist in den Traumphasen7. Mit einem kleinen Messgerät wie dem RigiScan, das Schlaufen um den Penis legt, werden diese Erektionen über ein bis zwei Nächte aufgezeichnet. Sind sie normal, spricht das für eine psychische Ursache. Ganz ausschließen lassen sich körperliche Gründe damit aber nicht.

Neurologische Tests

Bei Verdacht auf Nervenschäden, etwa nach einer Operation im Becken, bei Diabetes oder Multipler Sklerose, prüft der Arzt die Empfindlichkeit am Penis oder misst Nervenreflexe im Beckenboden8. Diese Tests sind schmerzfrei. Mehr dazu unter Nervenerkrankungen als Ursache.

Psychische Ursachen abklären

Spricht vieles für eine psychische Ursache, etwa feste Morgenerektionen und ein plötzlicher Beginn, überweist der Arzt dich oft an einen Sexual- oder Psychotherapeuten. Dort geht es um Themen wie Leistungsdruck, Versagensangst, Stress, Depressionen oder Probleme in der Partnerschaft.

Das ist keine Abstempelung als „Kopfsache“. Bei vielen Männern spielen Körper und Psyche zusammen, und beides kann parallel behandelt werden. Mehr dazu unter Psychische Ursachen von Impotenz.

Und nach der Diagnose?

Steht die Ursache fest, geht es an die Behandlung. Die Bandbreite reicht von Lebensstiländerungen über PDE-5-Hemmer bis zu Vakuumpumpe, Injektionen oder Therapie. Einen Überblick gibt dir unser Artikel Behandlung der erektilen Dysfunktion.

Tipp der Redaktion

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Wenn die Diagnose steht oder du die Grunduntersuchungen schon hinter dir hast: Ein zugelassener Arzt prüft deine Angaben online und entscheidet, ob eine Behandlung für dich passt.

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Häufige Fragen zur Diagnostik

Tut die Untersuchung bei Impotenz weh?

Gespräch, Blutabnahme und Abtasten sind nicht schmerzhaft. Das Abtasten der Prostata ist kurz unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Nur bei den Spezialtests mit Injektion gibt es einen kleinen Pieks mit einer sehr feinen Nadel. Diese Tests sind bei den meisten Männern gar nicht nötig.

Muss ich mich beim Arzt ausziehen?

Für das Abtasten von Penis, Hoden und Prostata ja, zumindest untenrum. Ärzte sind daran gewöhnt, für sie ist das Routine. Wenn du dich dabei wohler fühlst, kannst du fragen, ob ein Arzt deines Geschlechts verfügbar ist.

Wie lange dauert die Diagnose?

Gespräch und körperliche Untersuchung dauern meist 20 bis 30 Minuten. Die Blutwerte liegen oft nach wenigen Tagen vor. In vielen Fällen ist die Diagnose damit nach ein bis zwei Terminen gestellt. Spezialtests verlängern das nur, wenn sie wirklich nötig sind.

Kann ich eine Erektionsstörung online abklären lassen?

Ein Teil der Diagnostik, vor allem das Gespräch und der Fragebogen, funktioniert auch per Telemedizin. Körperliche Untersuchung und Blutwerte brauchen aber einen Termin vor Ort. Besonders bei erstmaligen Beschwerden, Herzproblemen oder weiteren Symptomen solltest du deshalb mindestens einmal persönlich zum Arzt gehen.

Was passiert, wenn der Arzt nichts findet?

Das ist gar nicht so selten und eigentlich eine gute Nachricht: Herz, Gefäße und Hormone sind dann in Ordnung. In diesem Fall stecken häufig psychische Faktoren dahinter. Auch dann gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten, von Gesprächstherapie bis zu Medikamenten, die den Teufelskreis aus Druck und Versagensangst durchbrechen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Für die Diagnose reichen meist Gespräch, körperliche Untersuchung und Blutwerte.
  • Erster Ansprechpartner kann der Hausarzt sein, Spezialisten sind Urologen und Andrologen.
  • Bereite dich auf Fragen zu Sexualleben, Medikamenten und Morgenerektionen vor.
  • Testosteron sollte morgens zwischen 7 und 10 Uhr nüchtern gemessen werden.
  • Vor Potenzmitteln prüft der Arzt, ob dein Herz die Belastung beim Sex mitmacht.
  • Ultraschall, Injektionstest und Schlafmessung sind nur in Einzelfällen nötig.
Quellen und Studien (8)
  • European Association of Urology (EAU): Guidelines on Sexual and Reproductive Health
    uroweb.org
  • American College of Cardiology (2024): Erectile Dysfunction as an ASCVD Risk-Enhancing Factor. Highlights from the Princeton IV Consensus Guidelines
    acc.org
  • Rosen R.C. et al. (1999): Development of an abridged, 5-item version of the International Index of Erectile Function (IIEF-5). Fragebogen der British Association of Urological Surgeons
    baus.org.uk
  • Shamloul R., Ghanem H. / Yafi F.A. et al. (2016): Erectile dysfunction. Nature Reviews Disease Primers, empfohlene Basisdiagnostik
    nih.gov
  • Nehra A. et al. (2012): The Princeton III Consensus Recommendations for the Management of Erectile Dysfunction and Cardiovascular Disease. Mayo Clinic Proceedings
    nih.gov
  • Levine G.N. et al. (2012): Sexual Activity and Cardiovascular Disease. A Scientific Statement from the American Heart Association. Circulation
    ahajournals.org
  • Nocturnal Penile Tumescence (NPT): Definition und klinische Bedeutung
    rigicon.com
  • Haensch C.A. et al. (2019): S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der erektilen Dysfunktion. Fortschritte der Neurologie Psychiatrie 87(4)
    thieme-connect.de

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