Diagnostik der Impotenz

Da unter der Impotenz häufig eine erektile Dysfunktion verstanden wird, beschreiben wir im folgenden die Diagnose einer Erektionsstörung. Die Impotenz in Sinne der Unfruchtbarkeit wird mittels einer Fruchtbarkeitsdiagnostik ermittelt.

Bereits bei ersten Anzeichen von signifikanten Potenzstörungen ist es für betroffene Männer wichtig, ärztliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Adressen von Urologen haben wir hier zusammengefasst.

Einerseits kann die Impotenz selbst ein Anzeichen für eine chronische Erkrankung sein, die einer Behandlung bedarf. Andererseits sind Potenzstörungen keineswegs irreversibel, sondern lassen sich gezielt behandeln. Auf der Suche nach einer passenden Behandlung ist eine fundierte ärztliche Diagnose entscheidend.

Inhaltsübersicht:
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    Jens Winkler
    Jens Winkler

    Aktualisiert: 20 August, 2020 | Medizinisch überprüft von: Klaus Marquardt

    Redaktion

    Vorbereitet ins Anamnesegespräch

    Noch vor den ersten körperlichen Untersuchungen klärt der behandelnde Arzt in einem Anamnesegespräch die wichtigsten Eckpunkte zur Erkrankung ab.

    So soll geklärt werden, welchen Einfluss die Krankengeschichte, der allgemeine Lebensstil oder eine aktuelle Medikation auf die Symptome haben. Wir möchten hier einige typische Fragen anführen, bei denen es hilfreich sein kann, passende Antworten schon vor dem Besuch in der Praxis durchzugehen:

    Das Stellen dieser intimen Fragen ist bei der Diagnose der erektilen Dysfunktion von entscheidender Bedeutung.

    Letztlich ist es für jeden Patienten wichtig, darauf eine ehrliche und präzise Antwort zu geben. Durch die Anamnese kann der Mediziner noch vor der körperlichen Untersuchung einschätzen, ob der erektilen Dysfunktion körperliche oder psychische Ursachen zugrunde liegen.

    Untersuchungen bei Impotenz

    Die körperliche Untersuchung

    An die Anamnese schließt sich nun die körperliche Untersuchung an. Sie dient dazu, ursächliche Erkrankungen oder Begleiterkrankungen zu bestimmen. 

    Teil davon sind die folgenden Tests und Untersuchungen:

    Entzündungen, Verhärtungen, venöse und hormonelle Ursachen lassen sich auf diese Weise erkennen. Dies kann der frühzeitigen Erkennung von schwerwiegenden und teils lebensbedrohlichen Erkrankungen dienlich sein. Zugleich lassen sich diverse potenzielle Ursachen der Impotenz mithilfe der Befunde ausschließen.

    Die Untersuchung im Labor

    Die europäische Leitlinie zur Diagnostik der erektilen Dysfunktion schreibt weiterhin eine Reihe von Laboruntersuchungen vor.

    Der Arzt lässt nach der Blutabnahme die folgenden Werte im Labor ermitteln:

    Zusätzlich liefert die Krankengeschichte des Patienten Hinweise darauf, ob eine ausführliche Untersuchung auf der Basis von Laborwerten sinnvoll ist. Wenn der Verdacht besteht, dass Vorerkrankungen zur Impotenz geführt haben oder die erektile Dysfunktion wiederum das Symptom einer chronischen Erkrankung ist, können weitere Werte angefordert werden.

    Weitere Werte im Falle von Vorerkrankungen:

    Weiterhin kann der Arzt die folgenden Untersuchungen in Betracht ziehen, die wir auf nun noch ausführlicher beschrieben haben.

    Biothesiometrie

    Die Biothesiometrie dient der Messung der Nervensensibilität. Ist die Leitfähigkeit der sensiblen Nervenstränge im Penis beeinträchtigt, so kann dies die Ursache für anhaltende Potenzprobleme sein. Völlig schmerzlos wird die Reaktion der Nerven an zwei unterschiedlichen Körperstellen mithilfe von Vibrationen untersucht. Ist die Sensibilität am Penis signifikant schlechter, ist dies ein klarer Hinweis auf eine neurologische Ursache.

    Elektromyographie

    Bei der Elektromyographie zeichnet der Arzt die Aktivitäten der Nerven und Muskeln im Genitalbereich auf. Anschließend werden sie in einem sogenannten Elektromyogramm (EMG) abgebildet. Weicht die elektrische Muskelaktivität von der Norm ab, so liefert dies einen Hinweis auf eine nachhaltige Schädigung der Muskulatur. Auch diese Untersuchung ist völlig schmerzfrei, da sie meist mithilfe von aufgeklebten Elektroden durchgeführt werden kann.

    RIGIscan

    Die Diagnose mittels RIGIscan macht die ohne sexuelle Erregung zustande kommenden nächtlichen Erektionen zum entscheidenden Untersuchungskriterium. Diese werden über zwei am Penis angebrachte Messschlaufen aufgezeichnet. Ist der unter Potenzproblemen leidende Patient nachts dazu in der Lage, eine gesunde Erektion aufzubauen, so schließt dies körperliche Ursachen nahezu aus. Stattdessen lassen sich psychologische Faktoren hinter der Problematik vermuten.

    Ultraschall

    Mithilfe der Ultraschalluntersuchung (Sonographie) kann der behandelnde Arzt den Zustand der Blutgefäße und mögliche Veränderungen am umliegenden Gewebe untersuchen. Auf diese Weise lassen sich diverse potenzielle Ursachen der Impotenz, wie zum Beispiel arterielle Verengungen, risikofrei erkennen. Meist werden dazu nicht nur Penis und Hoden, sondern auch Prostata, die Blase und die Harnwege untersucht.

    Dynamometrie

    Eine weitere, relativ unbekannte Methode zur Diagnostik der Impotenz ist die Dynamometrie. Die Dynamometrie dient zur Diagnose muskulärer Ursachen, indem die Muskelkräfte des Patienten gemessen werden. Direkt an der Peniswurzel liefert die Untersuchungsmethode einen genauen Eindruck vom Zustand der umliegenden Muskulatur. Anschließend ist eine aussichtsreiche Behandlung auf muskulärer Ebene möglich.

    Behandlungsmöglichkeiten bei Impotenz

    Noch immer ist die Ansicht weit verbreitet, dass allein PDE-5-Hemmer wie Viagra für eine (temporäre) Überwindung der Impotenz geeignet sind.

    Je nach dem, welcher Befund dem Arzt vorliegt, bestehen jedoch weit mehr Möglichkeiten der Behandlung. Muskuläre Ursachen lassen sich bisweilen durch körperliches Training, eine mechanische Therapie und eine Anpassung des Lebensstils überwinden.

    Ist die Ursache dagegen im hormonellen Bereich zu verorten, so ist eine Testosterontherapie womöglich das geeignete Mittel, um die Symptome langfristig zu überwinden.

    Liefert die Diagnose Hinweise auf eine psychische Ursache der Erkrankung, so erfolgt in der Regel die Überweisung an einen Sexual- oder Psychotherapeuten.

    Ist der Grund der Impotenz zum Beispiel auf der Ebene der Partnerschaft zu suchen, können einige klärende Sitzungen zur Linderung beitragen. Bereits die Situation eines offenen Gesprächs, die m Alltag für viele Männer nicht hergestellt werden kann, hat womöglich einen positiven Einfluss auf das Krankheitsbild.

    Unterstützung erfahren auch jene Patienten, bei denen eine Abhängigkeit von pornografischen Inhalten besteht, die langfristig zur Impotenz führen kann.

    Ärztliche Hilfe ist ratsam

    Der Erfolg der Behandlung hängt letztlich direkt von einer schnellen und gezielten Diagnose ab. Der entscheidende Fehler der meisten Männer ist damit der Verzicht auf einen raschen Besuch in der Arztpraxis.

    Noch immer spielt dabei die Sorge vor einer unangenehmen Situation und einer Stigmatisierung eine wichtige Rolle. Dabei geht jedoch mit der Zeit die Möglichkeit verloren, die eigentlichen Ursachen der Impotenz zu behandeln und nicht nur mithilfe einer Medikation an den Symptomen der Erkrankung zu arbeiten. Die Aussicht auf eine deutliche Verbesserung der Situation bis hin zur vollständigen Genesung sollte Grund genug sein, sich frühzeitig um einen Termin in der Praxis zu kümmern.

    Literatur:

    1. Diagnostik und Therapie der erektilen Dysfunktion | dgn.org
    2. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie | Entwicklungsstufe: S1 Federführend: Prof. Dr. Carl-Albrecht Haensch, Mönchengladbach Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie | www.awmf.org

     

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