Eigenblut gegen Impotenz

Die Aktivierung der Selbstheilungskräfte durch speziell aufbereitetes, eigenes Blutplasma ist schon lange bekannt. Aufgrund der risikoarmen Regeneration mit Zellen aus dem Eigenblut wird sie als Aktivierungstherapie  eingesetzt. Basierend auf diesen Erkenntnissen wird die Eigenbluttherapie in den USA auch am Penis gegen Erektionsstörungen angewandt. Dabei werden P-Shots in den Penis des Mannes injiziert, wodurch wieder eine harte Erektion entstehen kann.

Hierzulande wird die Eigenbluttherapie bei Erektionsstörungen allerdings sehr selten angewendet, mitunter da die Wirksamkeit der Eigenblut-Shots wissenschaftlich noch nicht bewiesen ist. Wir klären im Artikel über diese Behandlungsform auf.  

Inhaltsübersicht:
    Add a header to begin generating the table of contents
    Jens Winkler
    Jens Winkler

    Aktualisiert: 17. September 2021 | Medizinisch überprüft von: Klaus Marquardt

    Redaktion

    Was ist die PRP-Eigenbluttherapie?

    PRP bedeutet platelet-rich plasma, also plättchenreiches Plasma. Es wird auch von sogenannten „P-Shots“ gesprochen. Die Behandlungsform erfreut sich großer Beliebtheit in mehreren (alternativ-)medizinischen Anwendungsbereichen innerhalb der Sportmedizin oder Orthopädie ebenso wie bei Haut- und Haarproblemen. Sie gilt als risikoarme regenerative Aktivierungstherapie mit Zellen aus dem eigenen Blut.

    Ein Patient erhält bei dieser Therapie mehrmals eigenes Blutplasma in Penisschaft und oder Eichel injiziert, welches ankonzentriert und daher besonders reich an Blutplättchen (PR = platelet-rich) ist. Diese Thrombozyten sollen die Regeneration von Strukturschäden aktivieren.

    Die Wirkung beruht auf das plättchenreiches Plasma. PRP enthält eine Vielzahl an Wachstumsfaktoren aus Thrombozyten, welche regenerierende Zelltypen anlocken und aktivieren. Die Neubildung verschiedenster Gewebearten wird angeregt: Hautzellen, Muskulatur, Gefäße und Bindegewebe.

    So wird aus Eigenblut eine PRP-Therapie

    Plättchenreiches Plasma gewinnt der Mediziner, indem er venöses Blut eines Patienten entnimmt und mittels Zentrifuge zunächst Plasma daraus herstellt. Plasma enthält keine roten Blutkörperchen (Erythrozyten) mehr, aber alle anderen Blutzellen und -bestandteile.

    Mit speziellen Verfahren gewinnt er daraus ein Konzentrat, das vor allem besonders viele Blutplättchen (Thrombozyten) enthält. Denn diese Blutzellen sind es, die besondere Heilkräfte mobilisieren. Sein aufbereitetes Plasma erhält der Patient ins Gewebe, meist Muskulatur, injiziert.

    Wie läuft die Eigenbluttherapie ab?

    Die Blutentnahme geschieht an einer üblichen Stelle, beispielsweise in der Armbeuge. Während das Blut angereichert wird, wartet der Patient eine halbe bis eine Stunde. Anschließend bekommt der Verjüngungskandidat eine leichte Lokalanästhesie und an mehreren Stellen Injektionen verabreicht. Die Angaben reichen von Schwellkörperinjektion über diverse Orte entlang des Penisschaftes bis zur Eichel.

    Diese Sitzungen werden einige male wiederholt. Wie häufig die Behandlung wiederholt wird, ist unterschiedlich. Bei den meisten Patienten scheint es zwei Behandlungssitzungen zu geben. Bis Wirkung zu verspüren ist, kann es allerdings einige Wochen an Zeit benötigen.

    In Studien erfolgten die Anwendungen beispielsweise in insgesamt 3 Sitzungen über 3 Wochen verteilt. Die signifikant verbesserten Erektionsverhältnisse hielten bis zu 6 Monate an.2286 Efficacy of autologous platelet-rich plasma for the treatment of erectile dysfunction – sm.jsexmed.org

    Blutplättchen bei organischen Erektionsstörungen?

    Die eigentliche Aufgabe der Thrombozyten im Blut (nicht im Gewebe) ist die schnelle Gerinnungsreaktion bei Gefäßverletzungen. Sie setzen sich sofort am Schadensort fest (Adhäsion), wechseln in eine aktivierte Form und verkleben miteinander (Aggregation) zu einem Gerinnsel, Blutpfropf oder Thrombus. Währenddessen schütten sie eine Reihe von Botenstoffen aus. Blutplättchen sind die Ersthelfer bei Blutgefäßschäden.

    Im Gewebe dagegen sind Eigenblut und Teile davon zunächst ein Entzündungsreiz und rufen das Immunsystem auf den Plan: letztlich ein Zeichen, dass sie nicht dorthin gehören.

    Entscheidend für die erwünschte Wirkung nun, sind die hohen Gehalte an besonderen Wachstumsfaktoren plus Proteinen. Diese Faktoren sind Botenstoffe, geben bestimmten Prozessen den Startschuss und sorgen für eine schnelle Zellneubildung aus verschiedenen Vorstufen und Stammzellen. Insbesondere folgende Wachstumsfaktoren werden für die Wirksamkeit als Jungbrunnen bei erektiler Dysfunktion verantwortlich gemacht:

    FGF-1, FGF-2 (fibroblast growth factor basic, acid)

    steuern Neubildung von Blutgefäßen (Angiogenese), glatter Muskulatur und Fibroblasten

    PDGF-AA, PDGF-BB (platelet derived growth factor AA, BB)

    von Thrombozyten ausgeschüttet, fördern insgesamt Zellneubildungsprozesse

    VEGF (vascular endothelial growth factor)

    stimuliert Endothelzell-Proliferation und -Migration, also die Regeneration von Gefäßendothel (Innenwandzellschicht)

    VEGF-D (vascular endothelial growth factor)

    regt Neubildung von Blut- und Lymphgefäßen an

    Zu Angaben, dass auch die Regeneration von Nerven induziert wird, gibt es offenbar keine konkreten Nachweise.

    Verträglichkeit der Therapie

    Eigenbluttherapien sprechen für eine im allgemeinen gute Verträglichkeit.

    Gesunde Skepsis ist trotz Erfahrungen in Sportmedizin & Co. durchaus angebracht. Denn für die Behandlung der erektilen Dysfunktion sind bisher weder Unbedenklichkeit noch Wirksamkeit nach wissenschaftlichen Kriterien bewiesen. Es fehlt ein evidenzbasiertes Nutzen-Risiko-Profil. Allenfalls ein Experimentalstadium wird dem derzeit recht aktiven Forschungsgeschehen attestiert.

    Da es allerdings eine lange Liste an Gegenanzeigen der PRP-Therapie gibt, ganz gleich in welchem Körperbereich, sollte Vorsicht geboten sein.

    Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

    Abgesehen davon jedoch, mag die PRP-Therapie einen Versuch wert sein – wenn andere Optionen nicht infrage kommen oder versagt haben. Trotz aller Unwägbarkeiten steigt die Zahl urologischer Zentren und Praxen, die P-Shots anbieten, kontinuierlich.

    Literatur:

    1. Platelet-Rich Plasma and Treatment of Erectile Dysfunction: Critical Review of Literature and Global Trends in Platelet-Rich Plasma Clinics. – ncbi.nlm.nih.gov
    2. 286 Efficacy of autologous platelet-rich plasma for the treatment of erectile dysfunction – sm.jsexmed.org
    3. Platelet-Rich Plasma Therapy for Male Sexual Dysfunction: Myth or Reality? –  ncbi.nlm.nih.gov

    Foto: © Roman Zaiets | shutterstock.com