Was ist Impotenz?

Impotenz ist der umgangssprachliche Oberbegriff für verschiedene Einschränkungen der Zeugungsfähigkeit. Häufig ist zu beobachten, dass der Begriff „Impotenz“ im Sprachgebrauch mit „Dysfunktion“ gleichgesetzt ist. Dies stimmt aus medizinischer Sicht nicht. Stattdessen gliedert sich Impotenz in verschiedene Funktionsstörungen.

  • Erektile Dysfunktion:
    Die erektile Dysfunktion, auch „impotentia coeundi“ genannt, bezeichnet die teilweise oder vollständige Unfähigkeit, eine für den penetrativen Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion aufzubauen und zu halten.
  • Anejakulation:
    Die Anejakulation, auch als „impotentia ejaculandi“ bekannt, bezeichnet die Unfähigkeit, zu ejakulieren. Während in diesem Fall normaler Geschlechtsverkehr vollzogen werden kann, bleibt der Samenerguss aus.
  • Unfruchtbarkeit:
    Sterilität, medizinisch auch „impotentia generandi“, bezeichnet die Unfähigkeit zur Zeugung eines Kindes. Trotz normaler Erektion samt Samenerguss und wiederholten Geschlechtsverkehr ist die natürliche Befruchtung der Eizelle in diesem Fall nicht möglich.
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    Jens Winkler
    Jens Winkler

    Aktualisiert: 9. Februar 2021 | Medizinisch überprüft von: Klaus Marquardt

    Redaktion

    Erektile Dysfunktion

    Als erektile Dysfunktion (ED) wird die gestörte oder ausbleibende Erektion des Penis bei sexueller Erregung bezeichnet. Mediziner sprechen dann von einer Dysfunktion (auch Potenzstörung oder Erektionsstörung), wenn mindestens zwei Drittel der Versuche, eine Erektion aufzubauen, scheitern.

    Für eine stichhaltige Diagnose muss dieser Zustand über einen längeren Zeitraum anhalten (mindestens sechs Monate). Bei nur gelegentlichen Versagen, ist medizinisch betrachtet noch nicht von einer Erektionsstörung die Sprache. 

    Ursachen

    Grundsätzlich ist bei den Ursachen zwischen physischen und psychischen Aspekten zu unterscheiden.1Erectile dysfunction. Urology Care Foundation. Accessed Nov. 26, 2016 – urologyhealth.org Unter dem Menüpunkt „Ursachen von Impotenz“ haben wir uns ausführlich den möglichen Ursachen von Erektionsstörungen gewidmet.

    Diagnostik

    Eine frühzeitige ärztliche Untersuchung ist beim Verdacht auf erektile Dysfunktion aus zweierlei Gründen wichtig:

    1. Die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung der Erektionsstörung stehen besser, sofern diese in einem frühen Stadium erkannt wird. Durch individuelle Therapien ist Besserung zu erreichen.
    2. Die Potenzstörung kann Indikator ernstlicher Erkrankungen sein, die unbehandelt lebensgefährlich sind. Durch den Arztbesuch ist auch hier ein frühzeitiges Einschreiten möglich.

    Je nach Symptomatik können zur Diagnose der erektilen Dysfunktion die folgenden Untersuchungsmethoden eingesetzt werden.

    Die Diagnostik der Impotenz, worunter häufig Erektionsstörungen verstanden werden, haben wir im gesonderten Artikel noch genauer erläutert.

    Behandlung

    Beiden meisten Patienten wird zunächst durch eine Anpassung des Lebensstils versucht, dem Problem der erektilen Dysfunktion zu begegnen. Dies umfasst einerseits gesteigerte körperliche Bewegung und eine ausgewogene Ernährung.

    Eine temporäre Überwindung der Problematik ist durch die Verschreibung eines Potenzmittels möglich. Medikamente aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer sind in Kombination mit sexueller Erregung dazu geeignet, die erektile Dysfunktion zu überkommen.

    Alternativ werden die Injektionstherapie oder die physikalische Therapie bei der Behandlung eingesetzt. Aufgrund der Risiken des Eingriffs wird die operative Behandlung nur selten in Erwägung gezogen.

    Bei psychologischen Ursachen ist die psychotherapeutische Behandlung der Patienten üblich. Liegt der Potenzstörung eine Abhängigkeit von pornographischen Inhalten zugrunde, so kann eine Reduktion des Konsums bereits nach wenigen Wochen eine signifikante Wirkung entfalten.

    Bei der Wahl der Behandlung wird auf die evidenzbasierte S1-Leitlinie geachtet.2Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie Diagnostik und Therapie der erektilen Dysfunktion Entwicklungsstufe: S1 Federführend: Prof. Dr. W. H. Jost, Freiburg Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie – dgn.org 

    Bekannte Behandlungsmethoden:

    Anejakulation

    Die Anejakulation bezeichnet den ausbleibenden Samenerguss bei erfolgtem Orgasmus. Dabei gelangt kein Sperma in die Harnröhre, wodurch der Zeugungsakt nicht abgeschlossen werden kann.

    Ursachen

    Sowohl körperliche und medikamentöse, als auch psychologische Ursachen können der Anejakulation zugrunde liegen.

    Diagnostik

    Oftmals ergibt sich ein erster Verdacht der Ursache bereits aus dem Anamnesegespräch mit dem Patienten. Zur Diagnose körperlicher Ursachen kommen häufig die transrektale Sonografie und die Vasographie zum Einsatz. Beide Methoden bieten dem Facharzt die Möglichkeit, umliegende organische Strukturen zu untersuchen.

    Kristallisieren sich psychische Ursachen heraus, die für die Anejakulation verantwortlich sind, können diese erst im Austausch mit einem Psychotherapeuten genauer definiert werden

    Behandlung

    Je nach Ursache wird zur Behandlung der Anejakulation häufig auf eine Stimulation der umliegenden Nerven gesetzt. Dies kann einerseits durch schwache elektrische Impulse, aber auch durch Medikation geschehen. Besonders der Schwäche des Blasenschließmuskels lässt sich auf diese Weise entgegenwirken.

    Psychogenen Ursachen lässt sich hingegen in der kommunikativen Therapie entgegenwirken. Dazu sind meist mehrere Sitzungen und ein individueller Therapieplan notwendig.

    Sterilität

    Impotentia generandi, oder auch „Sterilität“ bezeichnet die Zeugungsfähigkeit des Mannes trotz wiederholten Geschlechtsverkehrs innerhalb eines Jahres. Besonders bei Männern werden die Begriffe Sterilität und Infertilität dabei häufig synonym verwendet. Um die Zeugungsunfähigkeit zu diagnostizieren, wird ein Fruchtbarkeitsdiagnostik durchgeführt.

    Ursachen

    Bei den Ursachen muss zwischen körperlichen, endokrinen und genetischen Faktoren unterschieden werden.

    Diagnostik

    Die Diagnose von Impotentia generandi baut auf vier wichtigen Säulen der Fruchtbarkeitsdiagnostik auf. Die erste davon ist eine ausführliche Anamnese unter Berücksichtigung der Krankengeschichte. Um die Ursache genauer eingrenzen zu können, finden unterschiedliche Untersuchungen des Hormonhaushalts statt, bei denen auf Testosteron, LH, FSH, SHBG, Prolaktin und TSH getestet wird. Gegebenenfalls kann auch der GnRH-Test herangezogen werden.

    Auf organische Ursachen wird mithilfe des klassischen Ultraschalls untersucht. Damit lässt sich zum Beispiel das Hodenvolumen genauer bestimmen. Auch Krampfadern am Hodensack, sogenannte Varikozele, lassen sich damit bestimmen. Abschließend wird eine Untersuchung des Ejakulats auf ungewöhnliche Veränderungen durchgeführt.

    Behandlung

    Je nach Ursache kann eine hormonelle Therapie für die erfolgreiche Behandlung eingesetzt werden. Alternativ ist es möglich, körperliche Schädigungen der Hoden operativ zu beheben. Zusätzlich kann eine Absetzung bestimmter Medikamente vorgenommen werden, um der Impotentia generandi zu begegnen.

    Literatur:

    1. Erectile dysfunction. Urology Care Foundation. Accessed Nov. 26, 2016 – urologyhealth.org
    2. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie Diagnostik und Therapie der erektilen Dysfunktion Entwicklungsstufe: S1 Federführend: Prof. Dr. W. H. Jost, Freiburg Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie – dgn.org
    3. Braun, M.; Wassmer, G.; Klotz, T. u.a.: Epidemiology of erectile dysfunction: results of the ‚Cologne Male Survey‘. In: International Journal of Impotence Research Bd. 12 (2000). S. 305 – 311.
    4. Huang, Sheron A.; Lie, Shanette D.: Phosphodiesterase-5 (PDE5) Inhibitors In the Management of Erectile Dysfunction. In: Pharmacy and Therapeutics Bd. 38 (2013). S. 414 – 419.
    5. Rastrelli, Julia; Maggi, Mario: Erectile dysfunction in fit and healthy young men: psychological or pathological? In: Translational Andrology and Urology Bd. 6 (2017). S. 79 – 90