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Macht Radfahren Impotent?

Langfristige Impotenz ist durch Radfahren nicht zu erwarten. Kurzfristig kann durch lange Fahrradtouren allerdings ein Taubgsheitsgefühl entstehen wodurch die Erektion schwächer ausfallen kann. Diese Erektionsstörung ist allerdings nur von kurzer Dauer. 

Dennoch hält sich unter vielen Männern hartnäckig das Gerücht, dass übermäßiges Fahrradfahren impotent macht und zu einer schwachen Erektion führt. Wir klären auf, was hinter diesem Mythos steckt und welche gesundheitlichen Auswirkungen zu langes Fahrradfahren tatsächlich auf die Potenz hat.

Unser Experte Jens Winkler klärt über Radsport und Impotenz auf. 

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Jens Winkler

Aktualisiert: 6. August 2022 | Medizinisch überprüft von: Klaus Marquardt

Redaktion
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    Erektionsstörung durch Radfahren?

    Häufig ist zu lesen oder zu hören, dass Fahrradfahren negative Effekte auf die sexuelle Leistungsfähigkeit des Mannes haben soll.

    Tatsächlich können nach einer längeren Radrouten Taubheitsgefühle im Penis, im Hoden oder im Dammbereich (die Region zwischen Hodensack und Anus) auftreten. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches, denn beim Radfahren lasten große Teile des Körpergewichts auf diesem Bereich.

    Da beim Fahrradfahren über einen längeren Zeitraum ein erhöhter Druck auf den Dammbereich ausgeübt wird, kann das die Nervenbahnen bzw. den Blutfluss im Genitalbereich beeinträchtigen.

    Potenzstörungen von kurzer Dauer

    Normalerweise bilden sich diese Beschwerden nach verhältnismäßig kurzer Zeit wieder zurück, sodass die Fähigkeit für eine Erektion nicht nachhaltig beeinträchtigt wird.

    Wer jedoch regelmäßig mit dem Rad fährt und wiederholt unter Schmerzen leidet bzw. ein Taubheitsgefühl im Dammbereich verspürt, sollte unbedingt einen Trainingsstopp einlegen und einen Wechsel des Sattels oder eine Veränderung der Sitzposition in Erwägung ziehen.

    Nachteile vom Fahrrad-Sitz

    Neben den Symptomen einer erektilen Dysfunktion können durch exzessives Radfahren in Ausnahmefällen auch Entzündungen des Nebenhodens, Zysten im Hoden, ein Hodentrauma oder Tumore verursacht werden.

    Grundsätzlich jedoch gilt, dass Fahrradfahren in der Regel unbedenklich ist, was schwerwiegende urologische oder andrologische Krankheitsverläufe anbelangt.

    Speziell Hobby-Radfahrer haben diesbezüglich wenig zu befürchten. Und selbst ambitionierte Radsportler haben mit der richtigen Ausstattung kein erhöhtes Risiko für dauerhafte Beeinträchtigungen, was die Potenz (Fruchtbarkeit) betrifft.

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    Studien über Radfahren & Impotenz

    Eine 2014 publizierte Studie aus dem Journal of Men’s Health fand heraus, dass Fahrradfahren keine ernsthafte Bedrohung in Bezug auf Erektionsstörungen, Impotenz oder Unfruchtbarkeit darstellt. (Quelle)

    Um diesen Mangel auszugleichen kann so viel Sonne wie möglich getankt werden oder auch ein Nahrungsergänzungsmittel zu sich genommen werden. Bereits in einem anderen Artikel haben wir berichtet, wie Vitamin-D3 den Testosteronspiegel erhöhen kann.

    Vergleichsstudie aus 2018

    Eine große Vergleichsstudie, die 2018 im Journal of Urology veröffentlicht wurde, kommt zu ähnlichen Ergebnissen. (Quelle)

    Im Rahmen der Studie wurden etwa 4.000 Sportler (Läufer, Schwimmer und Radfahrer) zu Themen wie sexuelle Gesundheit, Prostatabeschwerden, Harnwegsinfektionen oder Harnröhrenstrikturen (Verengung der Harnröhre) befragt.

    Im Vergleich zu den Läufern und Schwimmern berichteten Radfahrer etwas häufiger über Taubheitsgefühle sowie wunde Stellen im Genitalbereich.
    Bei den Symptomen der Prostata und den Harnwegsinfektionen wiederum gab es keine merklichen Unterschiede. Beim Thema Potenz hingegen schnitten Radfahrer sogar leicht besser ab als die Vergleichsgruppen – auch, wenn diesbezüglich kein signifikanter Unterschied festzustellen war.

    Darüber hinaus konnte im Rahmen der Studie herausgefunden werden, dass vor allem die Einstellung der richtigen Sattelhöhe, abwechselndes Fahren im Sitzen und Stehen sowie die optimale Höhe des Lenkers Taubheitsgefühle im Genitalbereich stark reduzieren konnten.

    Studie aus 2014

    Eine etwas ältere, wissenschaftliche Arbeit aus dem Jahr 2004 beschäftigt sich ebenfalls mit den Einflüssen des Fahrradfahrers auf die männliche Sexualität. (Quelle)

    Die Ursachen von auftretenden Taubheitsgefühlen sind dabei vor allem auf temporäre Überbelastungen der nervalen Strukturen im Genitalbereich zurückzuführen. Die Studie gibt jedoch auch zu bedenken, dass eine starke Druckbelastung im Dammbereich zu einer zu einer Minderperfusion (Minderung der Blutzufuhr) des Penis führt.

    Eine verminderte Blutzufuhr und der damit einhergehende Sauerstoffmangel im Blut können unter Umständen zu einer Vernarbung des Gewebes in diesem Bereich führen. Als Folgeerscheinung solcher Vernarbungen können auch erektile Störungen entstehen.

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    Impotenz durch Radfahren vorbeugen

    Die positive Wirkung von Radfahren ist unbestritten. Wer jedoch regelmäßig mit dem Rad unterwegs sein möchte oder längere Touren plant, sollte sein Geld auf jeden Fall in eine gute Ausstattung investieren. Hierbei wird eine ausführliche Beratung durch den Fachmann empfohlen.

    Passender Fahrrad-Sattel

    Der richtige Sattel kann bereits viel bewirken. Manche Sättel üben bei zu langen Fahrten einen punktuell zu starken Druck aus, was kurzzeitige Impotenz durch Radfahren begünstigen kann.

    Radlershose

    Auch wenn es nicht immer gut aussieht, das Tragen einer gut gepolsterten Radlerhosen kann den Genitalbereich um Penis, Hoden und Damm deutlich entlasten.

    Verbesserte Sitzposition

    Auch die richtige Sitzposition bzw. das Abwechseln zwischen sitzendem und stehendem Fahren sowie die Einstellung der optimalen Sattel- und Lenkerhöhe beugt Schmerzen und Taubheitsgefühlen im Schambereich vor.

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    Fazit: Impotenz durch Radfahren oft nur vorübergehend

    Das Risiko durch Fahrradfahren impotent zu werden, ist für einen gesunden Mann deshalb verschwindend gering. Fahrradfahren macht somit weder unfruchtbar noch verursacht es schwerwiegende Erektionsprobleme. Die Ausnahme kann also getrost ins Reich der Mythen verbannt werden.

    Zudem gilt, dass eine sportlich aktive Lebensweise bei der Wiederherstellung der Erektionsfähigkeit hilfreich ist. Wer während oder nach dem Radfahren allerdings wiederholt Probleme mit der sexuellen Leistungsfähigkeit bemerkt, sollte sich im Zweifel untersuchen und ärztlich beraten lassen. Denn in diesem Fall kann eine andere Grunderkrankung vorliegen, welche die Erektionsstörungen verursacht.

    Potenzprobleme bemerkt? Ab zum Arzt

    Wenn über einen längeren Zeitraum die Morgenlatte ausbleibt oder der Penis nicht mehr Steif wird können auch andere Ursachen bestehen. Ein Arztbesuch ist hierbei ratsam. 

    Quellen:

    1. Can cycling cause erectile dysfunction? | health.harvard.edu
    2. Cycling, and Male Sexual and Urinary Function: Results from a Large, Multinational, Cross-Sectional Study | doi.org
    3. Die Einflüsse des Fahrradfahrens auf die männliche Sexualität – Teil 1: Erektile Dysfunktion und Fahrradfahren | kup.at