Kavaliersschmerz durch Samenstau

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Kavaliersschmerzen, die auch als „Blaue Hoden“ bezeichnet werden, äußern sich als unangenehme Krämpfe im männlichen Unterleib.

Diese Schmerzen treten in der Regel nach einer langen Erektion auf, die nicht mit einer Ejakulation endet. Eine ärztliche Behandlung ist in den meisten Fällen nicht notwendig.

Wir klären auf, was mit den blauen Hoden auf sich hat, ob Masturbation helfen kann und in welchen Fällen eine medizinische Behandlung notwendig ist. 

Jens Winkler
Jens Winkler

Aktualisiert: 6 Mai, 2020 | Medizinisch überprüft von: Klaus Marquardt

Redaktion
Inhaltsübersicht:
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    Mythos „Dicke Eier“ - gibt es wirklich Samenstau?

    Gesunde Männer produzieren laufend neue Spermien.1Wie viele Menschen könnte ein Mann in seinem Leben mit seinem Sperma erzeugen? | science.lu
    Wenn der hergestellte Samen nicht bei sexueller Betätigung ausgestoßen wird, baut ein gesunder männlicher Körper die ungenutzte Samenflüssigkeit ab.

    Alternativ können Spermien in einem ungeplanten Samenerguss (Pollution) abgestoßen werden. Ein dauerhafter Rückstau oder ein sogenannter „Samenstau“ sind nicht möglich. Jedoch können Krämpfe in den Hoden auftreten, die für Männer vorübergehend äußerst unangenehm sind.

    Zunächst die wichtigsten Fakten:

    Warum treten Kavaliersschmerzen auf?

    Der Mythos der schmerzhaften „Dicken Eier“ wird oft besonders von Frauen als unglaubwürdig angesehen.

    Kavaliersschmerzen erhalten jedoch ihren Namen, da ein Kavalier beim Sex seinen Höhepunkt hinauszögert, bis die Partnerin/der Partner ausreichend sexuell befriedigt ist. Bei einer sehr langen Erektion, die nicht mit einem Orgasmus und einem einhergehenden Samenerguss endet, können plötzlich Schmerzen im Unterleib und in den Hoden auftreten. Es ist möglich, dass ähnliche Beschwerden auch nach einer langen Erregungsphase mit Ejakulation erscheinen.

    Die Ursache sind Krämpfe in der Muskulatur des männlichen Genitaltrakts, die vorübergehend sehr schmerzhaft sein können.

    Ein gesunder Mann verfügt im Genitaltrakt über mehrere Geschlechtsdrüsen. Diese sondern Sekrete ab, die sich mit den Spermien vermischen und die gesamte Samenflüssigkeit bilden. Wenn das Ejakulat über einen langen Zeitraum nicht vom Körper ausgestoßen wird, entleeren sich die Drüsen selbstständig in einer Pollution.

    Vier verschiedenen Drüsenarten:

    Vorsteherdrüse (Prostata)

    Sie umschließt die Harnröhre und ist kastaniengroß. Eine symptomatische Vergrößerung der Prostata äußert sich durch unmittelbare Schmerzen beim Urinieren und beim Sex.

    Bläschendrüsen (Samenblase)

    Sie liegen direkt neben der Prostata und produzieren einen Großteil des flüssigen Ejakulats. Die Bläschendrüsen können keine Flüssigkeit speichern und münden in einem ca. 15 Zentimeter langen Gang direkt in die Harnröhre.

    Bulbourethraldrüse

    Sie produziert das schleimige Präejakulat (Lusttropfen), das beim Sex als natürliches Gleitmittel wirkt. Der Lusttropfen wird direkt vor dem Samenerguss ausgestoßen.

    Samenleiterampulle

    Sie liegt an der Samenleiter, deren Aufgabe das Transportieren der Spermien zur Harnröhre umfasst. Zur besseren und schnelleren Weiterleitung produziert die Samenleiterampulle ebenfalls Sekret.

    Ohne eine natürliche Ejakulation beim Masturbieren oder beim Sex können sich die Drüsen in einer Pollution entleeren.

    Der Zeitraum bis zu einer Pollution variiert je nach körperlicher Beschaffenheit und liegt zwischen mehreren Tagen oder einigen Monaten.

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    Vadim Zakharishchev / shutterstock.com

    Diagnose, Symptome und Therapie

    Ohne eine Ejakulation oder Pollution können Krämpfe in den Samenwegen oder in der Muskulatur des Unterleibs auftreten. Wenn die Samenflüssigkeit zu lange in den Nebenhoden vorbereitet und gespeichert wird, können schmerzhafte Druckgefühle erscheinen.

    Bei einer längeren Erektion und einem Hinauszögern des Samenergusses beim Masturbieren oder beim Sex erhöhen sich die Blutmenge in den männlichen Genitalien sowie die Spannung der Samenwege.

    Der Körper bereitet sich dadurch auf die rhythmischen Kontraktionen der Samenwege zur Ejakulation des Spermas vor. Ohne einen Orgasmus kann bei langer und intensiver sexueller Erregung ein Krampf der Muskulatur der Samenwege auftreten.

    Dies äußerst sich durch Schmerzen und ein unangenehmes Ziehen im Unterleib oder in den Hoden. In einigen Fällen verändern die Hoden dabei ihre Farbe und werden bläulich („Blauer Hoden“). Weitere Symptome reichen von einem leichten Brennen bis zu einer Schwellung des Hodensacks.

    Häufig sind die Symptome ungefährlich

    Bei einem gesunden Körper sind diese Schmerzen ungefährlich.

    Sie klingen innerhalb von wenigen Minuten bis zu einigen Stunden nach der Erektion vollständig ab. Das Kühlen der Hoden mit einem kalten oder nassen Tuch führt in der Regel zur Linderung der Unterleibsschmerzen. Das Tragen weiter Kleidung vermeidet häufige Berührungen der überempfindlichen Hoden. Eine schnelle Heilung kann durch eine Ejakulation beim Sex oder beim Masturbieren erfolgen.2Kavaliersschmerzen Synonyme: Bräutigamschmerzen, blaue Hoden – DocCheck Felxikon | flexikon.doccheck.com

    Anhaltende Schmerzen ernst nehmen

    Bei länger andauernden Schmerzen ist jedoch das Konsultieren eines Arztes unbedingt notwendig.

    Es besteht die Gefahr, dass eine weitere Erkrankung vorliegt. Dazu zählen beispielsweise Obstruktionen, d. h. Verstopfungen oder Verengungen von Kanälen oder der oben beschriebenen Drüsen, die ein Ausstoßen der Spermien verhindern.

    In seltenen Fällen tritt eine Entzündung der Nebenhoden (Epididymitis) auf, die meist bakteriell bedingt ist.4Nebenhoden Von Eva Rudolf-Müller, Ärztin 22. November 2016 | netdoktor.de

    Ohne Ejakulation ist es möglich, dass eine höhere Bakterienkonzentration in den Samenwegen verbleibt und nicht ausgestoßen wird.

    Bei einem angeschlagenen Immunsystem oder entsprechender Veranlagung können dadurch schmerzhafte Entzündungen entstehen.

    Ohne erfolgreiche Behandlung ist es möglich, dass ein Mann dadurch unfruchtbar wird.

    Samenstau bei sterilisierten Männern

    Auch bei sterilisierten Männern kann ein Samenstau auftreten.

    Da bei einer Vasektomie lediglich der Samenleiter gekappt wird, produziert der männliche Körper weiterhin Spermien in den Hoden.

    Bei sexueller Erregung wird das Sperma bis zur Unterbrechung der Samenwege geleitet und ein Samenstau entsteht. Bei einem gesunden Mann wird die Samenflüssigkeit in ihren kleinsten Teilen automatisch aufgelöst und abtransportiert.

    Wenn dieser Mechanismus durch außerordentliche körperliche Vorgänge nicht funktioniert, können auch bei sterilisierten Männern Schmerzen in den Hoden auftreten.

    Bei dauerhaften Beschwerden ist eine Refertilisierung (rückgängige Vasektomie) in Betracht zu ziehen.

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    Andrey_Popov / shutterstock.com

    Samenstau vorbeugen durch Ejakulation?

    Der Mythos der „Dicken Eier“ ist wahr und lässt sich durch zahlreiche Mittel vorbeugen. Männer können Kavaliersschmerzen verhindern, indem sie regelmäßig ejakulieren und dabei ihre Erektion nicht übermäßig lange behalten. Ein häufiges Auftreten dieser Schmerzen ist bei der längeren Verwendung eines Penisrings zu beobachten. Das Ejakulieren in konstanten Abständen reinigt außerdem die Samenkanäle und entfernt Zellreste sowie Bakterien aus dem Körper. Dadurch werden Entzündungen im Unterleib vorgebeugt und die Libido gestärkt.

    Regelmäßiges Ejakulieren kann laut wissenschaftlichen Studien auch die Entwicklung eines Prostatakarzinoms verhindern.3Die Dosis macht den Schutz: Mehr Ejakulationen, weniger Prostatakrebs Nick Mulcahy | deutsch.medscape.com

    Das Verbleiben von Bakterien in den Samenwegen kann die Bildung eines Geschwürs in den Drüsen fördern und anregen. Neben den hauptsächlichen genetischen und äußeren Faktoren werden die Samenleiter bei häufigem Sex regelmäßig durchgespült und gereinigt. Dadurch wird sich das Risiko vermindert, dass ein Karzinom im Unterleib auftritt. Außerdem kann regelmäßiges Masturbieren die Wahrscheinlichkeit einer schmerzhaften Entzündung der Prostata (Prostatitis) verringern.

    Die Vorteile von häufigen Sex

    Es gibt zahlreiche weitere Vorteile von oftmaligem Ejakulieren oder häufigem Sex.

    Die hohe Qualität der Spermien bleibt erhalten und das Immunsystem der Männer wird gestärkt, da das Hormon Oxytocin die Entspannung fördert und Stress verringert. Reguläre sexuelle Betätigung erhöht außerdem den Testosteronspiegel und nicht zuletzt das Selbstwertgefühl.

    Eine Ejakulation ist zusätzlich ein echter Schlankmacher: Beim Masturbieren und beim Sex werden in der Regel zwischen 100 und 150 Kalorien verbrannt.

    Zusammenfassung

    Kavaliersschmerzen bei Männern sind real und äußeren sich durch Schmerzen im Unterleib. Sie können bei einem zu lang hinausgezögerten Samenerguss auftreten und verschwinden in der Regel spätestens einige Stunden nach dem Orgasmus.

    Bei länger anhaltenden Schmerzen in den Hoden kann unter Umständen eine weitere Erkrankung vorliegen. Ohne ärztliche Konsultation und eventueller Behandlung besteht die Gefahr einer dauerhaften Unfruchtbarkeit.

    Literatur:

    1. Wie viele Menschen könnte ein Mann in seinem Leben mit seinem Sperma erzeugen? | science.lu
    2. Kavaliersschmerzen Synonyme: Bräutigamschmerzen, blaue Hoden – DocCheck Felxikon | flexikon.doccheck.com
    3. Die Dosis macht den Schutz: Mehr Ejakulationen, weniger Prostatakrebs Nick Mulcahy | deutsch.medscape.com
    4. Nebenhoden Von Eva Rudolf-Müller, Ärztin 22. November 2016 | netdoktor.de

     

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