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Multipler Orgasmus beim Mann: Geht das?
Was Sexualforscher über mehrere Höhepunkte bei Männern herausgefunden haben, wie du es trainieren kannst und warum Potenzmittel bei der zweiten Runde helfen können.
Bei Frauen ist er bekannt, bei Männern gilt er als Mythos: der multiple Orgasmus beim Mann. Nach dem Höhepunkt kommt bei den meisten Männern die Pause, der Penis wird schlaff, und an eine zweite Runde ist erst mal nicht zu denken. Doch Sexualforscher haben Männer gefunden, die mehrere Orgasmen hintereinander erleben. Manche konnten das schon immer, andere haben es gelernt. Hier liest du, was dahintersteckt, wie das Training aussieht und welche Rolle Potenzmittel bei Runde zwei spielen können.
Kurz beantwortet
Ja, Männer können mehrere Orgasmen hintereinander haben, das ist in Studien belegt, aber selten. Der wichtigste Schlüssel ist, Orgasmus und Samenerguss zu trennen, denn meist beginnt die Erholungspause erst nach der Ejakulation. In Studien verkürzte Sildenafil die Pause bis zur nächsten Erektion teils deutlich, in einer Studie von knapp 11 auf unter 3 Minuten.

Gibt es den multiplen Orgasmus beim Mann?
Ja, multiple Orgasmen bei Männern sind wissenschaftlich beschrieben, kommen aber deutlich seltener vor als bei Frauen.
Die bekannteste Untersuchung stammt aus den USA. Die Forscherinnen Marion Dunn und Jan Trost befragten 21 Männer, die mehrere Orgasmen hintereinander erlebten. Einige konnten das nach eigenen Angaben schon immer, andere hatten es erst gelernt, acht davon erst nach dem 35. Lebensjahr[1]. Die meisten berichteten von zwei bis neun Orgasmen pro Begegnung, mit nur wenigen Minuten dazwischen.
Wichtig ist die Definition: Gemeint sind zwei oder mehr Orgasmen mit oder ohne Samenerguss, ohne dass der Penis zwischendurch komplett erschlafft. Eine Übersichtsarbeit von 2016 unterscheidet dabei zwei Typen[2]:
- SporadischMehrere Orgasmen mit jeweils einigen Minuten Abstand. Das ist die häufigere Form.
- KondensiertZwei bis vier Orgasmen kurz hintereinander, innerhalb von Sekunden bis zwei Minuten.
Die gleiche Übersicht nennt vier Faktoren, die multiple Orgasmen begünstigen können: einen Orgasmus ohne Samenerguss zu üben, neue oder mehrere Partner, Sexspielzeug für zusätzliche Stimulation und aufputschende Substanzen[2]. Letztere empfehlen wir natürlich nicht.
Warum Männer nach dem Orgasmus eine Pause brauchen
Nach der Ejakulation folgt bei den meisten Männern die Refraktärzeit, eine Erholungsphase, in der keine neue Erektion möglich ist.
Wie lange diese Pause dauert, ist sehr unterschiedlich. Bei jungen Männern sind es manchmal nur Minuten, mit dem Alter werden es oft Stunden. Warum es sie überhaupt gibt, ist erstaunlich wenig erforscht.
Die Prolaktin-Theorie wackelt
Lange galt das Hormon Prolaktin als Hauptverdächtiger, weil es nach dem Orgasmus stark ansteigt. Eine deutsche Fallstudie stützte das: Ein Mann mit multiplen Orgasmen zeigte nach drei Höhepunkten keinen Prolaktin-Anstieg, anders als neun Vergleichspersonen[3]. Eine Studie aus dem Jahr 2021 stellte die Theorie aber infrage. Bei Mäusen veränderte weder mehr noch weniger Prolaktin die Pause nach der Ejakulation[4]. Heute gehen Forscher davon aus, dass mehrere Hormone, Botenstoffe und Nervenbahnen zusammenspielen.
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Orgasmus und Samenerguss sind zwei Dinge
Der Orgasmus ist ein Erlebnis im Kopf, der Samenerguss ein Reflex im Becken, und beides lässt sich trennen.
Meistens passieren Orgasmus und Ejakulation gleichzeitig, deshalb halten viele sie für dasselbe. Dass sie es nicht sind, zeigen Alltagserfahrungen: Manche Männer haben einen Orgasmus fast ohne Erguss, etwa nach mehreren Höhepunkten am Tag oder nach bestimmten Prostata-Operationen. Umgekehrt gibt es Samenergüsse ohne echtes Höhepunktgefühl.
In der Studie von Dunn und Trost ejakulierten manche Männer bei jedem Orgasmus, andere nur beim letzten. Bei vielen nahm die Menge mit jedem weiteren Orgasmus ab[1]. Genau hier setzt das Training an: Wer lernt, den Höhepunkt zu erleben, ohne zu ejakulieren, umgeht bei vielen Männern die Pause.
Mehr zum ThemaAlles zur Behandlung von Erektionsstörungen →So trainierst du multiple Orgasmen
Das Training besteht aus starkem Beckenboden, gutem Körpergefühl und der Fähigkeit, den Samenerguss kurz vor dem Point of no Return zu bremsen.
Große Studien zu diesem Training gibt es nicht. Die Techniken stammen aus der Sexualtherapie gegen vorzeitigen Samenerguss und aus Berichten multiorgastischer Männer. In der Studie von Dunn und Trost nutzten Männer, die es gelernt hatten, genau solche Methoden wie Start-Stopp und Squeeze[1].

- Beckenboden findenSpann die Muskeln an, mit denen du einen Wind zurückhältst. Das ist der Beckenboden mit dem PC-Muskel. Den Urinstrahl nur einmal zum Finden kurz stoppen, nicht als Dauerübung.
- Beckenboden trainierenTäglich mehrmals einige Sekunden anspannen, dann entspannen, jeweils 10 bis 15 Wiederholungen. Geht unauffällig im Büro oder im Auto.
- Start-StoppBei der Selbstbefriedigung bis kurz vor den Höhepunkt kommen, dann pausieren, bis die Erregung etwas sinkt. Mehrmals wiederholen. So lernst du deinen Point of no Return kennen.
- SqueezeKurz vor dem Höhepunkt die Eichel unterhalb des Randes einige Sekunden fest drücken, bis der Drang nachlässt.
- Orgasmus ohne ErgussIm Moment des Höhepunkts den Beckenboden kräftig anspannen und ruhig weiteratmen. Am Anfang klappt es selten, mit Übung öfter.
- Erregung haltenNach dem ersten Höhepunkt nicht aufhören, sondern die Stimulation sanft fortsetzen. Die multiorgastischen Männer beschrieben, dass ihre Erregung zwischen den Orgasmen hoch blieb.
Plane Wochen bis Monate ein, nicht Tage. Und setz dich nicht unter Druck: Ein richtig guter Orgasmus ist mehr wert als drei verkrampfte.

Mythen und fragwürdige Tipps
Viele Tipps aus dem Netz sind nicht belegt, manche beruhen auf einem Missverständnis.
Faktencheck
| Behauptung | Was stimmt |
|---|---|
| „Jeder Mann kann es lernen“ | 🟡 Manche Männer haben es gelernt, ob es jeder kann, ist nicht belegt. |
| „Der Samen fließt zurück in die Prostata“ | 🔴 Falsch. Bei Druck auf den Damm gelangt der Samen in die Blase und wird später mit dem Urin ausgeschieden. |
| „Gewichtheben mit dem Penis trainiert den Beckenboden“ | 🔴 Unbelegt und unnötig, normales Beckenbodentraining reicht. |
| „Prolaktin ist allein schuld an der Pause“ | 🟡 Umstritten, wahrscheinlich spielen mehrere Faktoren mit. |
| „Orgasmus ohne Erguss ist schädlich“ | 🟢 Gelegentlich ist er unbedenklich. Wer dauerhaft gar nicht mehr ejakulieren kann, sollte das abklären lassen. |
Zweite Runde mit Potenzmittel
In zwei placebokontrollierten Studien verkürzte Sildenafil die Pause bis zur nächsten Erektion deutlich, in einer dritten Studie zeigte sich kein Effekt.
Hier wird es für viele Männer praktisch. Denn auch ohne monatelanges Training lässt sich die zweite Runde oft näher holen.
Was die Studien zeigen
In einer italienischen Studie bekamen 20 gesunde Männer im Alter von etwa 32 Jahren einmal 100 mg Sildenafil und einmal ein Placebo. Mit Sildenafil sank die Pause bis zur nächsten Erektion bei fortgesetzter erotischer Stimulation von 10,8 auf 2,6 Minuten[5].

Pause bis zur nächsten Erektion
Eine zweite Studie mit 60 jungen Männern ohne Erektionsprobleme kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Zu Hause berichteten 12 von 30 Männern mit Sildenafil von einer kürzeren Pause, mit Placebo nur 4 von 30. Die Erektion selbst wurde bei diesen gesunden Männern allerdings nicht besser[6].
Fair ist auch die Gegenseite: Eine türkische Laborstudie mit 60 Männern konnte keine kürzere Pause nachweisen. Dafür dauerte es mit Sildenafil länger bis zum Samenerguss, und die Erektion hielt danach länger an[7]. Auch das kann bei Runde zwei helfen.
Sildenafil oder Tadalafil?
- SildenafilZu den Studien zur Pause gibt es Daten mit Sildenafil. Es wirkt etwa vier bis fünf Stunden, genug für einen langen Abend. Mehr unter Viagra 50 mg.
- TadalafilZur Pause selbst gibt es keine Studien. Dafür hält das Wirkfenster bis zu 36 Stunden, Runde zwei kann also auch am nächsten Morgen stattfinden. Mehr unter Cialis: Wie lange steht er?
- Tadalafil 5 mg täglichDauerhaft bereit, ohne Planung, gut für Paare mit viel Lust. Mehr unter Tadalafil 5 mg täglich.
Wichtig: Potenzmittel wirken nur bei sexueller Erregung und sind verschreibungspflichtig. Nicht mit Nitraten oder Poppers kombinieren. Welcher Wirkstoff besser zu dir passt, liest du unter Viagra oder Cialis.
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Wann die Pause zum Problem wird
Eine lange Pause nach dem Orgasmus ist normal und wird mit dem Alter länger. Wenn aber schon die erste Erektion schwächer wird oder nicht lange hält, steckt oft eine beginnende Erektionsstörung dahinter. Die kann ein frühes Warnzeichen für Gefäßprobleme, Bluthochdruck oder Diabetes sein und sollte ärztlich abgeklärt werden.
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Unser Fazit: Möglich, aber mit Übung
Multiple Orgasmen beim Mann gibt es wirklich, sie sind aber selten und brauchen meist Training, vor allem beim Beckenboden und beim Trennen von Orgasmus und Samenerguss. Wer die zweite Runde schneller erreichen will, hat mit Sildenafil gute Chancen: In zwei von drei Studien verkürzte sich die Pause deutlich.
Häufige Fragen
Kann ein Mann mehrere Orgasmen hintereinander haben?
Ja, das ist in Studien belegt, aber selten. In einer US-Untersuchung berichteten 21 Männer von meist zwei bis neun Orgasmen hintereinander. Manche konnten das schon immer, andere haben es gelernt, einige erst nach dem 35. Lebensjahr.
Wie lange dauert die Pause nach dem Orgasmus?
Das ist sehr unterschiedlich. Bei jungen Männern können es wenige Minuten sein, im Alter oft Stunden. In einer Studie mit 32-jährigen Männern dauerte es ohne Wirkstoff im Schnitt knapp 11 Minuten bis zur nächsten Erektion.
Hilft Viagra für eine zweite Runde?
Wahrscheinlich ja. In zwei placebokontrollierten Studien verkürzte Sildenafil die Pause bis zur nächsten Erektion deutlich, in einer von 10,8 auf 2,6 Minuten. Eine dritte Studie fand keinen Effekt, dafür eine längere Erektion nach dem Samenerguss.
Ist ein Orgasmus ohne Samenerguss schädlich?
Gelegentlich nicht. Drückt man auf den Damm, landet der Samen in der Blase und wird mit dem Urin ausgeschieden. Wer dauerhaft nicht mehr ejakulieren kann oder Schmerzen hat, sollte das ärztlich abklären lassen.
Wie trainiere ich multiple Orgasmen?
Mit Beckenbodentraining, der Start-Stopp-Methode und der Squeeze-Technik. Ziel ist es, den Höhepunkt zu erleben, aber den Samenerguss zu bremsen und die Erregung danach hochzuhalten. Rechne mit Wochen bis Monaten Übung.
Das Wichtigste in Kürze
- Multiple Orgasmen beim Mann sind wissenschaftlich beschrieben, aber selten.
- Es gibt zwei Typen: sporadisch mit Minuten Abstand und kondensiert in kurzer Folge.
- Der Schlüssel ist, Orgasmus und Samenerguss zu trennen.
- Training mit Beckenboden, Start-Stopp und Squeeze braucht Wochen bis Monate.
- Die Prolaktin-Theorie zur Pause nach dem Orgasmus ist inzwischen umstritten.
- Sildenafil verkürzte die Pause in zwei Studien deutlich, Tadalafil verlängert das Zeitfenster für Runde zwei auf bis zu 36 Stunden.
Quellen und Studien (7)
- Dunn ME, Trost JE (1989): Male multiple orgasms, a descriptive study. Archives of Sexual Behavior
nih.gov - Wibowo E, Wassersug RJ (2016): Multiple Orgasms in Men, What We Know So Far. Sexual Medicine Reviews
nih.gov - Haake P et al. (2002): Absence of orgasm-induced prolactin secretion in a healthy multi-orgasmic male subject. International Journal of Impotence Research
nih.gov - Bericht zur Studie: No evidence for prolactin’s involvement in the post-ejaculatory refractory period. Communications Biology (2021)
inverse.com - Aversa A et al. (2000): Effects of sildenafil administration on seminal parameters and post-ejaculatory refractory time in normal males. Human Reproduction
nih.gov - Mondaini N et al. (2003): Sildenafil does not improve sexual function in men without erectile dysfunction but does reduce the postorgasmic refractory time. International Journal of Impotence Research
nature.com - Ekmekçioğlu O et al. (2005): Effects of sildenafil citrate on ejaculation latency, detumescence time, and refractory period. Urology
nih.gov
