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Viagra ohne es zu brauchen?

Was passiert eigentlich wenn man Viagra nimmt, ohne es zu brauchen? Was passiert wenn junge Männer ohne Potenzstörungen eine Viagra Tablette nehmen? Wir klären über die Wirkung und Risiken auf.

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    Jens Winkler
    Jens Winkler

    Aktualisiert: 31. Oktober 2022 | Medizinisch überprüft von: Klaus Marquardt

    Redaktion

    Viagra ohne Potenzstörung

    Professor Porst zufolge, erfahrener Spezialist und Androloge in Hamburg, entfalten Viagra und Konsorten beim gesunden Mann durchaus erwünschte Wirkungen: Ohne Potenzschwierigkeiten durch cGMP-Mangel erlebten Männer schnellere und länger andauernde Erektionen.

    Wissenschaftlich belegt:

    Viagra verkürzt wahrscheinlich die Zeit zwischen zwei möglichen Ejakulationen und könnte zugleich gegen vorzeitigen Samenerguss helfen. Die härtere Erektion mit Viagra kann wissenschaftlich nur schwer bestätigt werden.

    Wann, wie lange und was bewirkt Viagra?

    Der gute Sex mit Viagra kann allerdings auch eine Abhängig auslösen. Schnell können Männer mit der „natürlichen“ sexuellen Leistung unzufrieden sein und greifen daher immer häufiger zu Potenzmittel wie Viagra oder Cialis. 

    Das Zutrauen in die Potenz kann unter Potenzmittel Konsum sogar geringer werden, je häufiger und länger die Potenzpillen eingenommen werden. Vieles deutet darauf hin, dass sexuelle Überreizung und Pornographie zum Abstumpfen, zum Nachlassen der Libido führen können. Es „läuft“ dann nur noch mit Viagra, eine psychologische Abhängigkeit ist nicht ganz ausgeschlossen.

    Das bedeutet aber keineswegs das wenn man einmal Viagra genommen hat, es nicht mehr ohne funktionieren würde.  

    Nein, Viagra (Sildenafil) wirkt nicht von alleine. Viagra zeigt nur dann eine Wirkung wenn auch sexuelle Stimulation erfolgt. Von ganz alleine bekommt man mit Viagra weder als gesunder noch als impotenter Mann eine Erektion. 

    Viagra aus Neugier probieren?

    Eine härtere Erektion und schneller wieder einen zweiten Orgasmus bekommen zu können, sind nicht die einzigen Beweggründe. Viele gesunde, junge Männer geben Neugier an, die klar in Richtung zwanghafter Selbstoptimierung und überzogener Erwartungen an ihre sexuelle „Leistung“ weist. Stark, potent und „gesund“ nur mit Medikamenten – mittlerweile ein fragwürdiger Massentrend, auch bei Anti-Agern ab 50.

    Sildenafil und nachfolgende PDE-5-Hemmer unterliegen seit fast 20 Jahren dem exzessiven Missbrauch als Lifestyle-Droge. Zunächst überwiegend bei Bi- oder Homosexuellen sowie HIV-Infizierten, dann vermehrt bei jungen und gesunden heterosexuellen Männern mit riskantem Sexualverhalten (häufig wechselnden Sexualpartnern, ungeschützter Sex). Doch scheint der medikamentengestützte Sex derweil nicht mehr nur auf sogenannte Hochrisikogruppen beschränkt zu sein. 

    Viagra als Partydroge?

    Zusätzlich etabliert ist die Kombination mit Club-, Szene- oder Partydrogen wie Ketamin, Methylendioxymethamphetamin (MDMA, Ecstasy), Amylnitrit (Poppers), Marihuana, Kokain und mehr. Diese Cocktails sind hochgefährlich: Herz-Kreislaufkollaps, Koma und Schlimmeres drohen, selbst mit unverschnittenen hochreinen Rezepturen.

    Auch die Kombination von Viagra mit Alkohol sollte weitgehend vermieden werden. Während eine geringe Menge Alkohol meist noch unbedenklich ist oder sogar sexuelle Lust steigern kann, drohen bei großen Mengen Alkohol stärkere Nebenwirkungen.

    Welche Nebenwirkungen hat Viagra?

    Die häufigsten Nebenwirkungen von Viagra sind Kopfschmerzen, Hautrötungen, einen verstopfte Nase oder auch Sodbrennen. Die Nebenwirkungen treten vor allem in höheren Dosierungen auf. Viagra wird in 25, 50 oder 100 mg verschrieben. 100 mg sind zugleich die tägliche Maximaldosis und sollte nicht noch erhöht werden! Desto höher die Dosierung, desto wahrscheinlicher sind auch Nebenwirkungen. 

    Doch auch gefährliche Wechselwirkungen und Gegenanzeigen sind möglich. In bestimmten Fällen sollte von der Einnahme von Viagra abgesehen werden. Über diese Fälle kann sich in der Fachinformation von Viagra (Sildenafil) informiert werden. Auch der Arzt der das Rezept für Viagra ausstellt sollte über diese Gefahren aufklären. 

    Viagra ohne Impotenz vom Arzt?

    Wer nicht unter Erektionsstörungen leidet, wird Viagra nicht vom Arzt verschrieben bekommen. Weder der Hausarzt, Urologen oder ein Arzt über das Internet wird Viagra einfach so zum Spaß verschreiben. Auch wenn man einen online Fragebogen ausfüllt, sollte man also ehrlich über Erektionsstörungen und dem Gesundheitszustand berichten. 

    Viagra über das Internet?

    Literatur:

    1. PDE5 inhibitors – pharmacology and clinical applications 20 years after sildenafil discovery – ncbi.nlm.nih.gov
    2. Sildenafil Inhibits β-Adrenergic–Stimulated Cardiac Contractility in Humans – ahajournals.org
    3. Potenzstörungen – Erektionsstörungen (Erektile Dysfunktion – ED-Impotenz) – porst-hamburg.de
    4. Recreational use and misuse of phosphodiesterase 5 inhibitors. – ncbi.nlm.nih.gov
    5. Sildenafil does not improve sexual function in men without erectile dysfunction but does reduce the postorgasmic refractory time – nature.com
    6. Can sildenafil treat primary premature ejaculation? A prospective clinical study – onlinelibrary.wiley.com
    7. Recreational use of erectile dysfunction medications and its adverse effects on erectile function in young healthy men: the mediating role of confidence in erectile ability. – ncbi.nlm.nih.gov
    8. Weshalb junge Männer vermehrt zu Viagra greifen – www.nzz.ch